/* Disable XMLRPC add_filter( 'xmlrpc_enabled', '__return_false' );*/ /* Remove XMLRPC, WLW, Generator and ShortLink tags from header remove_action('wp_head', 'rsd_link');*/ feed.the1nter.net » Archiv » Wissenschafts-„Kritik“ und Selbstlegitimation der Esoteriker

Ich möchte in diesem Artikel zwei Scheinargumente entlarven, die von Esoterikern genutzt werden, um eigene Behauptungen zu untermauern und um echte Wissenschaft zu diffamieren. Nämlich den Rekurs auf uralte Traditionen und, zwar argumentativ gegenläufig, dennoch damit verwandt, die Behauptung, frühere wissenschaftliche Erkenntnisse hätten sich heute als falsch herausgestellt.

Gerade, aber nicht ausschließlich im esoterischen und pseudowissenschaftlichen Bereich wird sich oftmals auf bis ins Altertum zurückgehende Wurzeln berufen, um die Richtigkeit einer Hypothese oder die Wirksamkeit einer pseudomedizinischen Methode zu belegen. Von einem tatsächlichen Beleg kann dabei nicht die Rede sein, im Gegenteil. Menschen haben im Regelfall stets eine neue, verbesserte Methode einer alten vorgezogen. Nomaden wurden sesshaft, weil sich dadurch ihr Lebensstandard bedeutend verbesserte. Jäger legten die Steine beiseite und nutzten Pfeil und Bogen, weil sie dadurch einen viel größeren Ertrag erwirtschaften konnten. Konservendosen ersetzen aufwändige Pökelmethoden, Aspirin ersetzten Wadenwickel, Antibiotika ersetzten pflanzliche Mittel etc. Wenn eine veraltete Methode weiterhin bewahrt wurde, war die Chance groß, dass die Bewahrer im Laufe der Zeit untergingen.
Jahrhunderte oder gar Jahrtausende alte Methoden sind also aller Wahrscheinlichkeit nach uneffektive, uneffiziente, unentwickelte erste Versuche, einem Problem beizukommen, das mit den damaligen Methoden entweder überhaupt nicht oder nur unzureichend lösbar war. Wenn also ein Esoteriker mit unerschütterlicher Überzeugung sein Produkt in (angebliche und oftmals erfundene) Tradition jahrtausendalter Techniken stellt, so kann man davon ausgehen, dass diese Techniken von ihren modernen Weiterentwicklungen um ein Vielfaches übertroffen werden.

Ein Totschlagargument, das sich gegen die etablierte Wissenschaft richtet, ist dagegen die Behauptung, frühere wissenschaftliche Behauptungen hätten sich irgendwann als falsch herausgestellt, ergo würde das, was heute wissenschaftlicher Konsens ist, ebenfalls später als Fehlbehauptung entlarvt werden. Als Beispiel wird gerne Galileo Galiei herangenommen, in dessen Nachfolge sich viele Esoteriker gern sehen würden.
Zunächst ist festzustellen: Es ist korrekt, dass anerkannte wissenschaftliche Theorien andauernd korrigiert, erweitert oder – eher selten – komplett verworfen werden. Die beständige Kritik und Nachprüfung von Theorien ist ein fester Teil der Wissenschaft. Weiterhin ist es aus erkenntnistheoretischen Gründen nicht möglich, die Wahrheit zu erkennen, das bedeutet, wissenschaftliche Erkenntnisse können sich immer nur an die Wahrheit annähern. Allerdings kann man davon ausgehen, dass etablierte wissenschaftliche Theorien intensiv und beständig getestet wurden und den derzeit bestmöglichen Weg darstellen, ein Phänomen zu erklären.

Dann zur eigentlichen Kritik: Wenn behauptet wird, wissenschaftliche Erkenntnisse würden – historisch belegt – nach einiger Zeit komplett als falsch entlarvt werden, so ist schon der erste Teil grundfalsch. Von echter „Wissenschaft“ kann noch nicht lange gesprochen werden. Was in den Zeiten Galileis als „wissenschaftlicher Konsens“ galt, war eine religiös massiv beeinflusste Vermutung, wie die Erde im Einklang mit der christlichen Lehre auszusehen hätte. Die wissenschaftliche Methode der Falsifikation und eine einigermaßen ideologiefreie Wissenschaft hat sich erst in den letzten beiden Jahrhunderten herausgebildet, wobei erstere Anfang des 20. Jahrhunderts von Karl Popper formuliert wurde.
Den Vorwurf, die Methode der Falsifikation sei ihrerseits eine Ideologie, lässt sich leicht entkräften: Die Falsifikationsmethode besteht darin, eine These zu testen. Wenn nicht das eintritt, was der These nach geschehen sollte, gilt die These als widerlegt. Wenn dagegen das eintritt, was der These nach geschehen sollte, gilt die These als vorläufig nicht widerlegt und kann sowohl weiter getestet als auch vorsichtig verwendet werden. Diese Annäherung an die Wahrheit durch Ausschluss der Unwahrheit ist bereits im Begriff „Wahrheit“ implizit enthalten, denn wahr kann nur sein, was nicht unwahr ist.