Wer mich kennt, weiß, dass ich kaum etwas höher schätze als die Wissenschaft (nicht die Akademie, aber das ist ein anderes Thema). Dennoch stellt der Atheismus keine brauchbare Option für mich dar. Für die wissenschaftlich Denkenden handelt es sich nur um eine begriffliche Unschärfe, die das ganze Problem verursacht, für viele aber, die sich einfach nur aus der Unvorstellbarkeit eines Gottes heraus “Atheisten” nennen, möchte ich etwas Aufklärungsarbeit leisten.

Zunächst die begriffliche Klärung:
Ein..

  • ..Theist ist ein Mensch, der an die Existenz eines Gottes glaubt.
  • ..Atheist ist ein Mensch, der an die Nichtexistenz jedes Gottes glaubt.
  • ..Agnostiker ist ein Mensch, der sowohl Existenz als auch Nichtexistenz eines Gottes (besser: Schöpfers) für möglich hält.
  • Während es recht klar ist, was ein Theist und was ein Atheist ist, sei der etwas kompliziertere Agnostiker kurz näher erläutert: Der Agnostiker ist der einzige, der wissenschaftliche Methoden an die Gottesfrage anlegt. Niemand kann wissen oder auch nur ahnen, worin die Welt ihren Ursprung hat. Die Entwicklung des Universums, der Erde und des Lebens auf der Erde lässt sich in vielen Fällen mit erstaunlicher Genauigkeit zurückverfolgen – die grundlegende Entstehung jedoch nicht. Der Urknall ist der letzte Punkt in der Entwicklung der Wirklichkeit, dessen Existenz wir wissenschaftlich für wahrscheinlich erachten können. Was aber den Urknall selbst ausgelöst hat, ist Gegenstand reiner müßiger Spekulation. Ebenso können wir wissenschaftlich zwar die Naturgesetze – die Gesetze der Schwerkraft, des Magnetismus, der Evolution etc. – erfassen, nicht aber, weshalb gerade diese Gesetze existieren.

    Der Agnostiker erkennt dieses Unwissen an und beschäftigt sich mit dieser für den Menschen unbegreiflichen Erkenntnisebene höchstens in seiner Freizeit. Sowohl der Theist als auch der Atheist sind allerdings beide der Meinung, sie könnten diese Ebene – wie auch immer – erreichen und mehr als nur Vermutungen darüber anstellen. Dem Theist dienen meist die Offenbarungsgeschichten seiner Religion als Quellen des angeblichen Wissens über jene Ebene. Der Atheist dagegen erliegt einem logischen Irrtum: Mit dem Agnostiker ist sich der Atheist darüber einig, dass die Vorstellungen des Theisten unwissenschaftlicher Unfug sind. Dann aber geht er einen Schritt zu weit und schließt fälschlicherweise, dass es überhaupt keinen Schöpfer geben kann, wenn es keinen menschlich erdachten Schöpfer gibt.

    Tatsächlich ist es so, dass sowohl der Theist im Irrtum ist (siehe oben), aber der Atheist ebenso. Denn während der Theist behauptet, es müsse einen bestimmten, menschlich erkennbaren Schöpfer geben, konstatiert der Atheist, es könne keinen Schöpfer irgendeiner Art geben. Beides sind konkrete Aussagen über eine Ebene, von der keine Aussagen gemacht werden können. Wer sich “Atheist” nennt, erliegt demselben unwissenschaftlichen Irrtum wie der Theist.

    Aber ich bin mir sicher, dass viele Menschen “Agnostiker” meinen, wenn sie “Atheist” sagen!