Von einem entrüsteten Leser meines Blogs wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass mein Schreibstil selbstgefällig, überheblich und “von oben herab” sei. Ich möchte dazu gern Stellung nehmen. Nicht, weil ich meinerseits empört und entrüstet wäre (das ist in Deutschland sowieso schon so alltäglich, dass es gar nicht mehr auffällt), und auch nicht, weil ich mich missverstanden fühle (abgesehen von einem inhaltlichen Unverständnis besagten Kritikers, aber das ist sein Problem, nicht meins), sondern weil ich seine scharfe Beobachtung bestätigen und bekräftigen möchte!

Ja, ich schreibe selbstgefällig! Ja, ich schreibe überheblich! Und: Ja, ich schreibe “von oben herab”! Aber nicht etwa, weil ich mich für einen allwissenden Propheten halte, der nichts als die Wahrheit verkündet – im Gegenteil. Ich möchte auf Empörung, Entrüstung und Abneigung stoßen. Unsere Konsensgesellschaft ist geradezu ekelhaft. Bei allem, was heute öffentlich gesagt wird, muss penibel darauf geachtet werden, dass es niemanden verletzt, dass es zu möglichst vielen Meinungen kompatibel ist, und dass es ja nicht gegen die Mehrheitsmeinung verstößt. Herausstechende Menschen sind unerwünscht, das zeigt sich auch in der Leistungsgeringschätzung unserer Zeit und Gesellschaft.

Mit meinen Texten will ich nicht kompatibel sein, ich will nicht, dass sich möglichst viele Menschen darin wiederfinden, ich will kein weiteres Zahnrädchen im Kollektiv sein. Wenn meine Meinung zufällig mit dem Mainstream übereinstimmt, dann ist das eben so – krampfhafte Ablehnung ist fast schon ein verzweifelter Abhängigkeitsbeweis von demjenigen, was man zu bekämpfen vorgibt (man stelle sich nur pöbelnde Punks ohne angepöbelte Spießer vor – undenkbar!). Wenn sie aber nicht übereinstimmt, und das ist weitaus häufiger der Fall, dann polemisiere ich mit dem größten Vergnügen, schreibe selbstgefällig vom willen- und ahnungslosen Mob, in der Hoffnung, dass gerade der dadurch vielleicht einen Willen entwickelt. Und sei es nur ein Wille zum Widerspruch. Zudem bin ich – im Gegensatz zum empörten Kollektiv – der Meinung, dass man mit bestem Gewissen stolz sein sollte auf das, was man kann, weiß und ist. Auch das lebe ich in und mit meinen Texten. Im Gegenzug habe ich die Fähigkeit, jemanden für seine besonderen Fähigkeiten zu bewundern und nicht zu beneiden, wie ich es bei so vielen Menschen beobachte.