Qui Bono?

March 13th, 2013

Dass Medien nicht immer die Wahrheit verbreiten, ist mittlerweile ein Allgemeinplatz. Dennoch oder gerade deswegen fühlen sich meist eher einfachere Gemüter dazu berufen, das Weltbild ihrer Mitmenschen mit dieser Erkenntnis in ihren Grundfesten zu erschüttern. Mit triumphierender Mine und bedeutungsschwangerer Stimme wird dann den Unwissenden erklärt, wie wenig man sich auf die Medien verlassen dürfe, dass man alles hinterfragen müsse und dass ohnehin immer gelte: “Qui bono?”

Nun ist das sicherlich nicht grundfalsch, und kritisches Denken ist immer gut, aber was bei derlei überheblichen Wichtigtuerei mitschwingt, hat mit Kritik und Denken nicht viel zu tun. Kritisch gedacht wäre, wenn jede Information bestmöglich auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft würde. Dieses Vorgehen benötigt allerdings eine kritische Distanz und Unvoreingenommenheit – zwei Eigenschaften, die unseren Quibonisten völlig unbekannt sind. Denn die haben gelernt, dass man mithilfe einer Abkürzung viel schneller zum Ziel kommt, dabei weniger Nachdenken und weniger Kompromisse eingehen muss! Diese Abkürzung besteht in der Umkehrung jeglicher Information (solange sie zum eigenen, kleinen Weltbild passt): In den Nachrichten wird kritisch über das Assad-Regime berichtet – das Assad-Regime muss das eigentliche Opfer sein! Eine Reportage behauptet, der Iran sei eine gefährliche Diktatur – die wahren Diktatoren müssen im Westen stecken!

Weiterhin interessant ist die Selektivität des Quibonismus! Gewisse Themen werden nämlich bevorzugt “kritisiert”, während andere völlig unkritisch für bare Münze genommen werden. Wird mal wieder die USA oder Israel durchs Dorf getrieben, fühlt sich der Quibonist auf einmal brüderlich mit den Massenmedien verbunden und schätzt sie für ihre Unabhängigkeit und für den Mut, “auch mal” die “eigentlichen Drahtzieher” des Weltgeschehens zu “kritisieren”. Kommt dann aber die Sprache auf die Feindesfeinde, so kann man sich einer erleuchtenden, differenzierten und fairen Einschätzung der jeweiligen Informationen sicher sein. Denn dann heißt es wieder, in Internetforen, beim Stammtisch und zum Mittag: “Qui Bono?”