Eigenlob..

March 5th, 2013

..stinkt, aber einmal im Monat erlaube ich es mir. Ich predige seit Jahren, dass sich in China mit der Zeit die (bisweilen desolate) Situation der Arbeiter zum Besseren wenden wird, und zwar ohne dauernde Kritik (vor allem von bis zur Zimmerwand denkenden Weltverbesserern) an der schrecklichen und unmenschlichen freien Marktwirtschaft, die in China trotz angeblich sozialistischem System vorherrscht. Meine Argumentation dabei ist, dass mit wachsendem Wohlstand der Unternehmen (und damit des Staates) auch Lohn und Arbeitsbedingungen (und mithin Lebensbedingungen) der Arbeiter zunehmend verbessern. Beispiele dafür sieht man in der ganzen westlichen Welt. Das Zeitalter der Industrialisierung wird heute als die Epoche der Entmenschlichung begriffen, die Unheil über die Welt brachte. Tatsächlich war es eine schlimme Zeit – ähnlich der Situation in China vor einigen Jahren – aber sie brachte in viel größerem Maße Gutes, denn durch die Aufopferung der Arbeiter konnte die Basis für den Wohlstand und Lebensstandard geschaffen werden, die Millionen von Menschen in Deutschland und der gesamten Westlichen Welt heute genießen. Dabei geholfen haben sicherlich nicht zuletzt auch Forderungen der Arbeiter, aber bestimmt nicht überhebliche Statements wichtigtuerischer Moralapostel aus dem kulturell völlig verschiedenen Ausland (wie heute die Kritik der Arbeitsverhältnisse aus Deutschland an China). Daher, so mein Gedanke, hilft es dem chinesischen Arbeiter nicht, wenn man chinesische Produkte aus blinder Menschenliebe boykottiert. Im Gegenteil: Durch dieses Verhalten steigt die Gefahr, dass die ohnehin schon marginalen Löhne weiter gekürzt werden oder zahlreiche Arbeitsplätze gestrichen werden. Ein Effekt, der die Ärmsten am stärksten trifft.

In China ist derweil die Mittelschicht so stark am Wachsen, dass das Straßennetz in den Großstädten völlig überfordert ist, da so viele Chinesen plötzlich die Mittel haben, sich den Luxus eines eigenen Autos zu gönnen. Und nun verspricht auch die chinesische Regierung, dass “Sozialprogramme […] künftig Priorität erhalten, wirtschaftliche Entwicklungsvorhaben dafür zurück genommen” werden. Natürlich stößt eine Einmischung der Regierung in Privatangelegenheiten jedem Liberalen sauer auf, aber wenn hinter dieser Aussage die Einführung eines menschenrechtlichen Mindeststandards steht, ist sie nur zu begrüßen.

Die Moralapostel sehen das natürlich nicht ein, sprechen von einer Bändigung der Bestie Marktwirtschaft (o.ä.) und sind zu blind, um zu erkennen, dass diese Entwicklung dieser “Bestie” überhaupt erst zu verdanken ist. Aber sie schreien weiter nach staatlicher Steuerung, Regelung und Regulierung, und die deutsche Demokratie – immer dem Willen des Volkes hinterher – rennt weiter mit verbundenen Augen in Richtung Abgrund.

Zusammengefasst: Ich hatte Recht, die empörten Gutmenschen (ich mag das Wort eigentlich nicht, aber hier passt es so gut) natürlich und wieder einmal Unrecht.