/* Disable XMLRPC add_filter( 'xmlrpc_enabled', '__return_false' );*/ /* Remove XMLRPC, WLW, Generator and ShortLink tags from header remove_action('wp_head', 'rsd_link');*/ feed.the1nter.net » Archiv » Rassismus aus genetischer Sicht

„Rassismus“ subsumiert unzählige Ansichten, denen nur ein Faktor gemein ist: Die Aufwertung einer Gruppe, damit: die Abwertung aller anderen. Im Laufe der Zeit wurde von verschiedensten Rassen gesprochen (Klammerbezeichnungen von mir): Beispielsweise von der männlichen und weiblichen Rasse (Gender-Rassismus), der Arbeiterrasse (Klassen-Rassismus), der ethnischen Rasse (klassischer Rassismus) und von der nationspezifischen Rasse (neoklassischer Rassismus). Um letztere soll es im Folgenden gehen.

Selbst wenn die heute leicht angestaubte, aber immer noch  latent in der Bevölkerung vorhandene Ansicht, jeder „Rasse“ seien bestimmte Wesenseigenschaften zuzuordnen (der Franzose ist faul aber charmant, der Italiener nachlässig aber lebensfroh, der Russe trinksüchtig aber bodenständig, der Türke aggressiv aber männlich, der Deutsche pendantisch aber innovativ und arbeitsam), längst nicht mehr die aggressive Rhetorik vergangener Zeiten erreicht, so schwingt doch auffällig mit, dass den „fremden Rassen“ vorwiegend negative Eigenschaften – plus weniger positiven alibi-Eigenschaften („zu irgendetwas müssen die ja auch gut sein“) – zugewiesen werden, während die „eigenen Rasse“ mit hauptsächlich positiven Eigenschaften glänzt. Dass man sich mit derartiger Sichtweise erschreckend nahe an nazistischer Ideologie bewegt, dürfte weitgehend unbekannt sein – auch diese sah durchaus positive Eigenschaften in den „Untermenschen“; als Arbeiter waren sie durchaus zu gebrauchen. Auch galten die Westeuropäer den Nazis lange nicht als so minderwertig, wie beispielsweise die „slawische Rasse“. Anzumerken ist freilich, dass die nazistischen Ideologien nicht einheitlich waren – so hatte trotz der weitverbreiteten Germanomanie Hitler nichts für die Germanen übrig, bezeichnete sie gar als den Römern klar unterlegen.

Zurück zum Thema: Die erste Antwort auf die Kritik an derart stereotyper Denkweise ist für gewöhnlich der Hinweis, dass doch aber etwas an dieser Kategorisierung dran sein müsse – belegt wird dies dann mit anekdotenhaften Erlebnissen, die man selbst oder jemand anders im Urlaub erlebt hat. Dabei wird völlig übersehen, dass nicht so sehr die stereotype Zuordnung bestimmter Schlagwörter auf bestimmte Nationalitäten (interessanterweise wird heute „Nation“ gern mit „Rasse“ gleichgesetzt) – dies ist ein völlig anderes Kritikfeld – sondern vielmehr die notwendige Zuordnung bestimmter Eigenschaften auf bestimmte „Rassen“ kritisiert wird. Es wird hierbei unterstellt, dass der Franzose notwendigerweise faul, der Italiener notwendigerweise nachlässig und der Russe notwendigerweise trinksüchtig sein müsse, da dies ihrem „rassischen Wesen“ entspräche. Explizit wird dies so freilich kein Vertreter des neoklassischen Rassismus aussprechen, würde er sich doch seiner eigenen Denkstrukturen bewusst, die vermutlich mit seinem Selbstverständnis nicht in Übereinkunft stehen würden. Jenes „rassische Wesen“ wird, wie gesagt, allen Vertretern der jeweiligen „Rasse“ notwendigerweise zugesprochen, d.h. es ist fest mit dem jeweiligen Individuum verknüpft. Dadurch fällt eine kulturelle Definition von „Rasse“ weg, denn Kultur kann verändert werden. Angenommen, es gäbe tatsächlich nur faule Franzosen und pendantische Deutsche (freilich völliger Unsinn): Der pendantische Deutsche, auf jeden Fall aber seine Nachkommen, könnte mit der Zeit zum faulen Deutschen werden, vorausgesetzt er nähme die französische Kultur an.

Aus neoklassisch-rassischer Sicht ist diese Transformation NICHT möglich, denn es wird vom „Wesen einer Rasse“ gesprochen, das jedem Individuum und dessen Nachkommen anhaftet. Wenn die „Rasse“ also nicht in der Kultur zu finden ist, dann bleibt nur noch die Genetik, möchte man von metaphysischen Spekulationen Abstand halten. Überhaupt scheint in der Genetik – zumindest für den klassischen Rassismus – der Schlüssel zur Wahrheit zu liegen. Denn was läge näher, als die verschieden aussehenden angeblichen Menschentypen (die schwarzen Afrikaner hier, die weißen Europäer dort; graduelle Unterschiede in der Hautfarbe werden natürlich nicht wahrgenommen oder ebenfalls kategorisiert) verschiedenen „Rassen“ zuzuordnen, die sich anhand ihrer Genetik grundlegend unterscheiden müssen – denn die Gene sind schließlich für das Aussehen verantwortlich. Daraus wird nun munter extrapoliert, dass die grundlegend verschiedenen Gene den verschiedenen „Rassen“ auch grundlegend unterschiedliche Eigenschaften (wie die Faulheit, Nachlässigkeit, Trinksucht) verleihen.

Dieses wunderbar logische Modell scheitert allerdings an der Realität – zur Widerlegung genügt ein einziges Zitat:

„[I]f  you take the mean [genetic] difference between any two world regional populations and compare it with the difference between two randomly chosen individuals from the same population, the difference between the two randomly chosen individuals from the same population will be greater.“ (Shennan: Genes, Memes and Human History. 2002, S. 60.)

Frei übersetzt: Vergleicht man den durchschnittlichen genetischen Unterschied zwischen zwei Bevölkerungen (oder zweier „Rassen“) mit dem genetischen Unterschied zweier Individuen aus derselben Bevölkerung (oder derselben „Rasse“), dann ist der genetische Unterschied zwischen den beiden („gleichrassigen“) Individuen größer.

Denn: Es mag zwar unleugbare, augenscheinliche Unterschiede zwischen Bewohnern verschiedener Regionen der Welt geben (Hautfarbe, Augenform usf.), aber es handelt sich hierbei um direkte Anpassungen an die Umwelt, die von einer vergleichsweise geringen Anzahl von Genen hervorgerufen wird und die auf irgendwelche herbeifabulierten „rassischen Wesensmerkmale“ keinen Einfluss haben.