Weder bin ich Ökonom und hege den Anspruch, wirtschaftliche Zusammenhänge gänzlich oder weitgehend zu verstehen, noch bin ich ein Austrian und hege den Ansrpuch, das System der Österreichischen Schule zu kennen. Ich bin aber ein interessierter Bücherleser und möchte als solcher den wichtigen und interessanten Inhalt eines Buches mit meinen Worten kurz zusammenfassen. Es handelt sich um “Geldsozialismus” vom kürzlich verstorbenen Roland Baader. Baader war Anhänger der erwähnten Österreichischen Schule, die leider in der Ökonomie heute keinen wesentlichen Einfluss mehr besitzt. Vorab möchte ich erwähnen, dass ich zwar durch dieses Buch Sympathisant für die Austrians geworden bin, aber keineswegs behaupte, sie wäre der Weisheit letzter Schluss. Dies kann zwar möglich sein, ebenso kann es aber sein, dass die Austrians grandios falsch liegen – ich bin schlichtweg nicht in der Lage, dies hinreichend zu bewerten, da mir dafür das Fachwissen fehlt. Meine Aussage, es sei schade, dass die Austrians heute im ökonomischen Diskurs keine Rolle mehr spielen, muss ich dabei aber nicht relativieren – Meinungspluralität ist immer wichtig.

Die Austrians sehen die Ursache der Weltwirtschaftskrise nicht im Kapitalismus, sondern in den künstlichen Eingriffen in die Wirtschaft durch den Staat. Die Hauptfaktoren hierbei sind:

  • a) Die Abkopplung des Geldes vom Gold, was eine Geldproduktionsmaschinerie zulässt – wenn mehr Geld benötigt wird, druckt die (staatliche) Zentralbank einfach welches.
  • b) Der künstliche Eingriff in die Zinsen – wenn in einem freien Markt aufgrund ökonomischer Umstände die Zinsen wachsen würden, kann der Staat zur Konsumanregung die Zinsen senken, um so Sparen unattraktiv und Verschuldung attraktiv zu machen.
  • c) Die durch die Zentralbank garantierte Möglichkeit der Banken, mehr Geld zu verleihen, als sie besitzen.

Diese Faktoren beeinträchtigen den Kapitalismus, bzw. den freien Markt, so sehr, dass überhaupt nicht mehr von einem “Kapitalismus” gesprochen werden kann, sondern es sich vielmehr um “Geldsozialismus” handelt. Die Folge dieses Geldsozialismus ist eine ständige Inflation, da – im Grunde nötige – Rezessionen und Krisen verhindert (besser: verschoben und akkumuliert) werden, indem bei einer Krise der Markt mit neuem Geld (sog. “fiat money”) geflutet wird. Dadurch wird allerdings nichts gewonnen, sondern nur verschoben: Das Geld entwertet sich zunehmend, da immer mehr davon ohne realen Gegenwert auf den Markt geworfen wird. So kann mehr Konsum stattfinden, als eigentlich möglich wäre. Als Folge davon steigen die Preise – die nächste Rezession kann beginnen, ohne dass allerdings die letzte Rezession den Markt bereinigen konnte (Arbeitsumverteilung durch Entlassung und andersweitiger Wiedereinstellung, Entfernung ineffizienter Unternehmen, Deflation werden durch die staatliche Intervention verhindert). Dadurch häuft sich ein unwirtschaftlicher und gefährlicher Markt an, der irgendwann in einer großen Depression samt Hyperinflation komplett zerschlagen wird.

Aus Sicht der Austrians müsste also Geld von staatlicher Kontrolle abgekoppelt werden, sodass eine staatlich verordnete Inflation nicht mehr möglich wäre. Die vom freien Markt selbst gesteuerte Zinsentwicklung sehen die Austrians als eine wichtige Kennzahl in der Beurteilung des Marktes – diese wird von der Leitzinsregulierung seitens der Zentralbank völlig verschleiert. Staatliche Interventionen in den Markt müssten also auf ein Minimum reduziert, oder komplett entfernt werden. Den Gedanken an die notwendige und mögliche Marktsteuerung verwerfen die Austrians als menschliche Hybris, die in ihrer Ineffektivität eine erfolgreiche freie Marktwirtschaft (“Kapitalismus”) wirksam verhindert.

Unter anderem wird mehr als deutlich gemacht, dass aus Sicht der Austrians eine gigantische globale Depression ansteht, in welcher der Markt versuchen wird, die Fehler des praktizierten Geldsozialismus der letzten 70 Jahre zu bereinigen.