Wer sich heutzutage “Antifaschist” nennt, muss zumindest erwarten, kritisch zu seiner allgemeinen politischen Einstellung befragt zu werden. Dies hat selbstverständlich seine Gründe: Die “Antifaschistische Aktion”, kurz: “Antifa”, zählt als linksradikale Gruppierung. Nun ist die begriffliche Ähnlichkeit allerdings kein Zufall – die politische Linke hat in weiten Teilen den Antifaschismus für sich gepachtet; dies belegt eine kurze Google-Suche nach “antifaschistische demonstration” – die ersten Treffer entstammen dem linken Umfeld. Das Gesagte kurz gefasst: Antifaschismus ist eine linke Domäne.

Dabei würde ich mich als Liberaler sehr gerne als “Antifaschist” bezeichnen, ohne dabei zugleich als politisch Linker abgestempelt zu werden. Überhaupt mutet die Konstellation seltsam an, denn linke und rechte Radikale mögen zwar Konkurrenten sein, haben aber einen gemeinsamen Feind: Das Bürgertum. Diese gewagt klingende Behauptung wird schnell einleuchtender, wenn man die strukturellen Ähnlichkeiten von rechtem und linkem Radikalismus (oder: von Nationalsozialismus und Kommunismus) betrachtet. Beide Systeme setzen auf einen starken, totalitären Staat, der formend und selektierend in die Gesellschaft eingreift. Beide Systeme nutzen ein extremes Prinzip der Kategorisierung, welches sich im Rassen- bzw. Klassenkampf ausdrückt. Dieses Rassenkampf- und Klassenkampfprinzip ist dem System innewohnend und somit ewig, unterliegt also nicht der Debatte und ist somit unanfechtbar. Beide Systeme unterdrücken die freie Meinungsäußerung und stellen das Kollektiv/Volk über das Individuum. Die grässlichen Ausformungen derartiger Ideologien unterscheiden sich im Detail und in der Ausführungen, die Resultate aber sind ähnlich: KZ und Gulag, Deportation in Vernichtungslager und Holodomor. Ein sowjetischer Weltkrieg indes blieb aus, vielleicht waren die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki beeindruckend genug, um diesen zu verhindern.

Ohne Anspruch auf eine vollständige Liste: Linksextremismus und Rechtsextremismus stehen einander also näher, als man gemeinhin denkt – beide richten sich gegen eine freie Gesellschaft. Indem sich der Linksextremismus von seinem rechten Gegenpart mithilfe des Labels “Antifaschismus” abgrenzt, entsteht allerdings der Eindruck, der Linksextremismus würde jenen anstelle oder im Namen des Bürgertums bekämpfen. In Wirklichkeit würde er keine Sekunde zögern, mit mindestens ebensogroßer Vehemenz sich gegen das Bürgertum zu richten, sähe er eine Chance.