Kulturkritik

January 6th, 2012

Bei all den Debatten über eigene Kultur, fremde Kultur, Leitkultur und dergleichen, hat sich eine bestimmte Prämisse heimlich in die Köpfe der Menschen eingeschlichen, die als unhinterfragbar angenommen wird: Eine fremde Kultur (die viel einfacher zu definieren ist, als die eigene, übrigens) darf immer nur relativ betrachtet werden, d.h. sie darf zwar als inkompatibel zur oder schädlich für die eigene Kultur betrachtet werden, aber niemals als per se gut oder schlecht. Dieser Grundsatz zieht sich sowohl durch alle Debatten, als auch durch – und das ist bemerkenswert – alle Lager! Sowohl die sog. Linken, als auch die sog. Rechten sind Kulturrelativisten. Die einen finden fremde Kultur prima, auch bei uns, die anderen finden fremde Kultur auch prima, aber eben nur im Ausland.

Das Bizarre daran ist nun: Auch menschenfeindliche Kultur wird verteidigt! “Es gehört eben zu deren Kultur.” ist das kulturrelativistische Totschlagargument No. 1, wenn bestimmte Handlungen oder Ideologien kritisiert werden. Dabei ist es alles andere als eindeutig oder klar, dass diese Aussage stimmt. Natürlich, Kultur ist DIE Grundlage der Gesellschaft und des Individuums, der Wert der Kultur kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, aber für einen aufgeklärten Menschen, und insbesondere für einen Menschen nach Auschwitz, muss sich auch Kultur den Menschenrechten unterordnen. Daraus resultiert dann auch die Angreifbarkeit bzw. Kritisierbarkeit der Kultur: Eine Kultur, in der das Steinigen von Ehebrecherinnen (auch vergewaltigte Frauen zählen dazu) legitim ist, ist in diesem Punkt als “schlecht” zu bewerten.