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Volk

8. Dezember 2011

Man hört und liest es nicht mehr all zu oft, dennoch geistert das Wort implizit in vielen Köpfen, mithin Meinungen und Einstellungen, herum. Die Rede ist vom „Volk“. Gern wird es getarnt verwendet, nämlich wenn man von der „Kultur“ einer Nation oder eines Landes (was synonym verwendet wird und einen eigenen Beitrag wert wäre) spricht: Die Kultur von heute ist das Volk von früher. Oder präziser: Die Kultur von heute sind die Ausprägungen des Volkes von früher. Oder verständlicher: Wenn man heute von der „Deutschen Kultur“ spricht, meint man die Eigenarten des „Deutschen Volkes“. Nun ist der Begriff „Volk“ gegenstandslos und inhaltsleer, da fast beliebig nutzbar. Niemand kann ihn definieren. Das weiß die Kulturwissenschaft nur zu gut, das „Volk“ weiß es eher nicht. Im letzten Satz wurde er pejorativ verwendet – synonym für „Pöbel“. Manche nutzen ihn synonym für „Bevölkerung“, also den Einwohnern eines Staates – völlig unabhängig von deren Herkunft, Sprache und Kultur. Gehen wir aber näher auf die Nutzung als Träger der „Deutschen Kultur“ ein. Hier beschreibt „Volk“, oder auch „Deutsches Volk“ eine wie auch immer geartete Menge von Menschen, die eine wie auch immer geartete Menge von Eigenschaften genetisch teilt. Klingt nett, klang auch vor 150 Jahren nett, als das Unheil des Rassismus seinen Lauf nahm – es scheitert aber an der Wirklichkeit. Denn es wird eine gewisse Homogenität vorausgesetzt, die genetisch determiniert, in realiter aber nicht vorhanden ist.

Die erste Unwahrheit ist, dass sich im Laufe der Zeit genetisch reine Völker („Rassen“) herausgebildet hätten – im Gegenteil: Die Geschichte der Menschheit ist geprägt von Wanderungsbewegungen und ständiger Mischung (vgl. Hoerder, Dirk: Geschichte der deutschen Migration. Vom Mittelalter bis heute. München 2010.).

Die zweite Unwahrheit (u.a. resultierend aus der ersten) ist, dass genetische Determinanten existieren, die einen „völkischen Charakter“ pränatal festlegen.

Die dritte Unwahrheit schließlich ist, dass ein „Volkscharakter“, bzw. eine „Volkskultur“ überhaupt existiert. Dazu ein Beispiel: Person A lebt in Deutschland, wurde dort geboren, hat ebenfalls dort geborene Eltern. Person A liebt Klassik, Brathähnchen und fährt gern Ski. Person B lebt in den USA, ist Nachkomme mexikanischer Einwanderer. Auch Person B liebt Klassik, Brathähnchen und fährt gern Ski. Person C lebt in Deutschland, wurde dort geboren, hat ebenfalls dort geborene Eltern. Person C liebt Heavy Metal, ist Veganer und verachtet den Wintersport.

Ich denke, weitere Ausführungen wären unnötig. Dennoch eine klärende Bemerkung zum Schluss: Selbstverständlich existieren gewisse Eigenarten, die gewissen Regionen anhaften, allen voran die Sprache (bzw. der Dialekt). Allerdings hat dies noch lange nichts mit einer universalen „Volkskultur“ zu tun. Die Möglichkeiten der Kulturalisierung sind so mannigfaltig, dass heute bevorzugt von „Teilkulturen“ gesprochen werden sollte: Unsere Person A wäre beispielsweise Mitglied der Teilkulturen „Klassikliebhaber“, „Brathähnchengourmet“, „Skifanatiker“, „US-Staatsbürger“, „Mexikanischer Einwanderer“ und noch vieler anderer mehr. Es spricht ferner nichts dagegen, dass Teilkulturen abgelegt werden und andere hinzukommen.