/* Disable XMLRPC */ add_filter( 'xmlrpc_enabled', '__return_false' ); /* Remove XMLRPC, WLW, Generator and ShortLink tags from header */ remove_action('wp_head', 'rsd_link'); feed.the1nter.net » 2013 » März

Indem sie den UN-Menschenrechtsrat für dessen israelkritische Resoultionen loben, zeigt die palästinensische Führung ihren feinen Sinn für Humor.

Lustig dabei ist vor allem der „Menschenrechtsrat“ selbst, denn aktuelle Mitglieder sind unter anderem:

  • Benin: In Gefängnissen wird straffrei misshandelt, Homosexualität stellt eine Straftat dar.
  • Botswana: Auch hier darf man als Homosexueller mit einer Gefängnisstrafe von bis zu sieben Jahren rechnen.
  • Indonesien: In einer Region gilt die Scharia – gesellschaftliche Abweichler (es genügt die Missachtung der Bekleidungsvorschriften!) erwarten dort Umerziehungsmaßnahmen, Atheisten Gefängnisstrafen.
  • Republik Kongo: Pygmäen werden gern von Bantus als Sklaven gehalten. Keine Metapher.
  • Burkina Faso: Frauen werden verstümmelt („beschnitten“) und sind quasi entrechtet. Homosexualität ist strafbar.
  • Kuwait: Frauenrechte sind beschnitten, das Internet wird zensiert.
  • Der durchschnittliche Wert aller 15 Mitgliedsstaaten im „2013 Index of Economic Freedom“ beträgt 3.2, wobei 1 „frei“ und 5 „unterdrückt“ bedeutet. Dass diese UN-sanktionierte Realsatire sich erdreistet, dem einzigen freien Staat im Nahen Osten Vorwürfe wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen zu machen, ist wirklich unglaublich.

    Aber natürlich darf man das nicht aussprechen, denn es entspricht ja deren Kultur, und die Menschen wollen ja so und nicht anders leben, auch die Opfer! Und überhaupt: Wie können denn kulturelle Elemente Menschenrechte verletzen? Der einzige Staat auf der Welt, der tatsächlich Menschenrechte verletzt, sei Israel, so der allgemeine Konsens. Die tatsächliche Bedeutung dieser ohnehin schon völlig absurden und hasserfüllten Einstellung, ist: Die Wurzel allen Übels seien die Juden!

    Na klar – jeder damit Konfrontierte würde diese Mentalität vehement abstreiten, schließlich sei er ein Freund der Juden, habe selbst jüdische Freunde, möchte doch einzig verhindern, dass die Juden denselben Fehler begingen, wie dazumal die Nazis. Und ich glaube, dass sie von dem, was sie da sagen, absolut überzeugt sind. Aber zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein klafft ein tiefer Spalt, der nur mithilfe allzu selten angewandter Selbstreflexion überwindbar ist.

    Ich gebe diesen so sehr fehlgeleiteten Individuen keine große Schuld – es ist ja schier unmöglich, sich vor der allgegenwärtigen propalästinensischen Beeinflussung zu schützen. Man muss nur einmal vergleichen, wie viele Sonderkommissionen, Gremien, Hilfsorganisationen, Aktivisten, Dokumentationen, Reportagen etc. zum Thema „Palästina“ und dagegen zum Thema „Darfur“ existieren.

    UPDATE:
    Gerade las ich in den Nachrichten, dass sich ein Saudi entscheiden darf, zwischen einer Querschnittslähmung und einer Geldstrafe. Er befindet sich aber nicht in der Hand skrupelloser Verbrecherbanden, sondern in einem saudi-arabischen Gefängnis, wo er ganz offiziell vor diese Wahl gestellt wird. Natürlich hat er die umgerechnet 200.000 € nicht, und so bleibt die „Wahl“ ein zynischer Strohhalm. Ihm wird also bald von Medizinern das Rückenmark durchtrennt werden. Seine Tat: Er lähmte mit einer Messerattacke sein Opfer, und da in der Scharia Spiegelstrafen durchaus üblich sind, hat also alles seine „Richtigkeit“.
    Warum erwähne ich das hier? Man ahnt es schon – Saudi Arabien war bislang bereits zwei Mal Mitglied im UN-Menschenrechtsrat. Lustig, nicht?

    Kommunisten, oder Sympathisanten des Kommunismus, gibt es erstaunlich viele. Es ist seit ’68 im linksintellektuellen Milieu durchaus schick, sich dem Kommunismus nahestehend zu fühlen. Aber auch ansonsten unpolitische Bürger scheinen dem Kommunismus ungewöhnlich stark angetan zu sein – zumindest dessen Theorie, denn gegen Kritik und einen tieferen Einstieg in die Diskussion wird gleich zu Beginn des Gesprächs, gleichsam als Nebensatz der Sympathiebekundung, konstatiert, dass der Kommunismus zwar die beste und gerechteste mögliche Gesellschaftsform, der Mensch aber zu fehlerbehaftet sei, um den Kommunismus erfolgreich umsetzen zu können. Kurz: Es liege am schlechten Mensch, dass der perfekte Kommunismus nicht funktioniere. Für den Menschen sei dagegen eine so ungerechte Gesellschaftsform wie der Kapitalismus viel angemessener. Diese oder eine ähnliche Immunisierung wird man von geschätzten 50 % der Bevölkerung zu hören bekommen, wenn man den Kommunismus anspricht.

    Nun verwundert, dass sich so viele Menschen anscheinend intensiv mit kommunistischen Theorien auseinandergesetzt haben. Es bedarf durchaus einiger Anstrengung, Hegel und Marx, oder wenigstens einige gute Zusammenfassungen zu lesen, und ich wage zu bezweifeln, dass allzu viele Menschen ohne weitere philosophische Vorbildung verstehen, was ihnen dort mitgeteilt wird. Ich stelle also die gewagte These auf, dass die meisten Procommunistes einfach nur das nachplappern, was gerade hip und trendy ist. Die oben genannte Immunisierung (perfekter Kommunismus vs. fehlerbehafteter Mensch) sorgt dafür, dass man inhaltlich nicht weiter argumentieren muss. Ich bin mir ziemlich sicher, dass deutlich weniger Menschen dem perfekten Kommunismus nachweinen würden, wenn sie wüssten, worin er eigentlich besteht. Alle Gräueltaten, die im Namen des Kommunismus begangen wurden (und die bis heute weit über 100.000.000! Opfer gefordert haben), sind nicht durch ein lapidares „Der Mensch ist eben machtbesessen und brutal!“ zu erklären. Nein, Brutalität und Grausamkeit sind ein elementarer Bestandteil des marxistischen Kommunismus! War es nicht Marx, der den ständigen Klassenkampf bishin zur klassenlosen Gesellschaft als universelles Prinzip propagierte? Und dieser Klassenkampf ist nicht als abstrakte, ahistorische oder metaphorische Idee gemeint, sondern als ein blutiges Schlachten um Leben und Tod.

    Und hier kann man bereits ahnen, dass es interessante Parallelen gibt, vom angeblich so gerechten Kommunismus zu anderen totalitären Systemen. Armin Pfahl-Traughber stellt in seinem großartigen Aufsatz „Gemeinsamkeiten im Denke der Feinde einer offenen Gesellschaft. Strukturmerkmale extremistischer Ideologien.“ (Aufklärung und Kritik 4/2010) in bester Tradition Poppers eine Auflistung verschiedener Strukturmerkmale zusammen, die Kommunismus, Rechtsradikalismus und religiösem Fundamentalismus gemein sind, als da wären:

  • Exklusiver Erkenntnisanspruch: Die Lehren des Systems enthalten die einzige Wahrheit.
  • Dogmatischer Absolutheitsanspruch: Die Grundprinzipien des Systems können nicht angezweifelt werden.
  • Essentialistisches Deutungsmonopol: Nur mithilfe des Systems lässt sich die Wahrheit komplett erkennen.
  • Holisitsche Steuerungsabsichten: Weil das System die Wahrheit gänzlich erkannt hat, muss es die komplette Kontrolle über die Gesellschaft besitzen.
  • Deterministisches Geschichtsbild: Die geschichtliche Entwicklung hat einen Sinn und ein Ziel und lässt sich durch die Lehren des Systems voraussagen und günstig beeinflussen.
  • Identitäre Gesellschaftskonzeption: Der Wert des Individuums steht unter dem Wert des Kollektivs.
  • Dualistischer Rigorismus: Die Anhänger des Systems sind gut, alle anderen sind böse.
  • Fundamentale Verwerfung: Die bestehende Ordnung muss kompromisslos und komplett ausgelöscht und durch das System ersetzt werden.
  • Ich sehe und verstehe in keiner Weise, wie eine Ideologie, das diese Punkte erfüllt, von jemandem mit klarem Verstand, als das „gerechteste und beste politische System“ bezeichnet werden kann. Die einzige Erklärung dafür bestätigt meine These: Es wird einfach hohl nachgeplappert, was andere (vermutlich ebenso hohl) vorausplappern. Und weil man als intellektueller Linker nicht den tumben Nazis hinterherlaufen kann, nimmt man eben den Kommunismus her – dasselbe Gespenst, nur in einem anderen Kleid.

    Von einem entrüsteten Leser meines Blogs wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass mein Schreibstil selbstgefällig, überheblich und „von oben herab“ sei. Ich möchte dazu gern Stellung nehmen. Nicht, weil ich meinerseits empört und entrüstet wäre (das ist in Deutschland sowieso schon so alltäglich, dass es gar nicht mehr auffällt), und auch nicht, weil ich mich missverstanden fühle (abgesehen von einem inhaltlichen Unverständnis besagten Kritikers, aber das ist sein Problem, nicht meins), sondern weil ich seine scharfe Beobachtung bestätigen und bekräftigen möchte!

    Ja, ich schreibe selbstgefällig! Ja, ich schreibe überheblich! Und: Ja, ich schreibe „von oben herab“! Aber nicht etwa, weil ich mich für einen allwissenden Propheten halte, der nichts als die Wahrheit verkündet – im Gegenteil. Ich möchte auf Empörung, Entrüstung und Abneigung stoßen. Unsere Konsensgesellschaft ist geradezu ekelhaft. Bei allem, was heute öffentlich gesagt wird, muss penibel darauf geachtet werden, dass es niemanden verletzt, dass es zu möglichst vielen Meinungen kompatibel ist, und dass es ja nicht gegen die Mehrheitsmeinung verstößt. Herausstechende Menschen sind unerwünscht, das zeigt sich auch in der Leistungsgeringschätzung unserer Zeit und Gesellschaft.

    Mit meinen Texten will ich nicht kompatibel sein, ich will nicht, dass sich möglichst viele Menschen darin wiederfinden, ich will kein weiteres Zahnrädchen im Kollektiv sein. Wenn meine Meinung zufällig mit dem Mainstream übereinstimmt, dann ist das eben so – krampfhafte Ablehnung ist fast schon ein verzweifelter Abhängigkeitsbeweis von demjenigen, was man zu bekämpfen vorgibt (man stelle sich nur pöbelnde Punks ohne angepöbelte Spießer vor – undenkbar!). Wenn sie aber nicht übereinstimmt, und das ist weitaus häufiger der Fall, dann polemisiere ich mit dem größten Vergnügen, schreibe selbstgefällig vom willen- und ahnungslosen Mob, in der Hoffnung, dass gerade der dadurch vielleicht einen Willen entwickelt. Und sei es nur ein Wille zum Widerspruch. Zudem bin ich – im Gegensatz zum empörten Kollektiv – der Meinung, dass man mit bestem Gewissen stolz sein sollte auf das, was man kann, weiß und ist. Auch das lebe ich in und mit meinen Texten. Im Gegenzug habe ich die Fähigkeit, jemanden für seine besonderen Fähigkeiten zu bewundern und nicht zu beneiden, wie ich es bei so vielen Menschen beobachte.

    Gut und Böse

    23. März 2013

    Filme, Computerspiele, Bücher – die gesamte Unterhaltungsindustrie drückt den kollektiven Wunsch der Rezipienten nach einer klaren Unterscheidung von Gut und Böse aus. Einleuchtend allemal, reduzierte es doch die Komplexität der Welt beträchtlich, gäbe es eindeutige moralische Kategorien, an denen man Denken und Handeln bewerten könnte. Jahrhundertelang existierten solche Bewertungssysteme, die zwar nicht universell gültig waren, aber den unaufgeklärten Menschen zumindest universell vorkamen: Im Stammesverband waren es vielleicht die undefinierten „anderen“, die nicht zur eigenen Gruppe gehörten, später waren es dann die „Ungläubigen“, irgendwann die „feindlichen Nationen“, die „Untermenschen“, die „minderwertigen Rassen“, nicht zuletzt und erstaunlich konstant: Die Juden. Sie alle verkörperten für bestimmte Gruppen das Böse. Und wie erwähnt, erleichterte diese harte Trennung von Gut und Böse das Leben immens: Entscheidungen und Handlungen jeder Art konnten damit gerechtfertigt werden, dass sie doch dem Bekämpfen des Bösen dienten und so dem Guten zugute kämen. Selbst die industrielle Vernichtung von 6.000.000 Juden rechtfertigten die Nazis mit der Aussage, spätere Generationen würden den eigentlichen Wert dieser Handlungen verstehen: Die Ausrottung des Bösen in Form der Juden.

    Heute sind wir natürlich weiter. Die ernsthafte Nutzung der Worte „Gut“ und „Böse“ ist hierzulande kaum mehr möglich, und spricht ein George W. Bush von der „Achse des Bösen“, so wird in Europa direkt an seiner Zurechnungsfähigkeit gezweifelt. Die Begründung für die Aufgabe des Dualismus von Gut und Böse ist simpel und sollte bekannt sein: Jeder Mensch hat individuelle (und nicht zuletzt kulturelle) Gründe dafür, so zu handeln wie er handelt, deshalb bewertet jeder Mensch seine eigenen Intentionen und Handlungen, und jene anderer Menschen, die seine Intentionen und Handlungen unterstützen, als „gut“. Intentionen und Handlungen, die seinen zuwiderlaufen, sind für ihn dagegen „böse“. Daher dürfe man den Kannibalen nicht verurteilen, wenn er den Touristen verspeist, den „gemäßigten Islamisten“ nicht, wenn er ein Vergewaltigungsopfer steinigt, den durchschnittlichen Ugander nicht, wenn er die Todesstrafe für Homosexuelle unterstützt, den abergläubischen Nigerianer nicht, wenn er eine vermeintliche Hexe ermordet, und auch den Ostafrikaner nicht, wenn er einen Albino massakriert, dessen angeblich magische Extremitäten auf dem Schwarzmarkt enorme Summen einbringen. Die einzige kritikwürdige Gesellschaft scheint „der Westen“ zu sein: Er sei doppelzüngig, „eurozentristisch“, anmaßend und im Grunde doch irgendwie für das gesamte Elend auf der Welt verantwortlich. Und am allerschlimmsten sei die „selbsternannte Weltpolizei“ USA! Diese Ansicht scheint heute weitgehend Konsens zu sein, zumindest im eher linksgerichteten Bildungsbürgertum.

    Symptomatisch für ein solches Weltbild ist die konsequente Ablehnung der Realität. Es wird so lange theoretisiert und die Wirklichkeit zurechtgebogen, bis die eigene Ansicht endlich vertretbar ist und logisch erscheint. Kritische Anmerkungen werden daher im Regelfall auch nicht inhaltlich diskutiert, sondern mit Empörung („Wie kannst Du nur.. !“, „Jeder weiß doch, dass.. !“) abgeschmettert. Dieselbe Reaktion kann man provozieren, indem man den Irrsinn auf den Punkt bringt und nachfragt, ob denn tatsächlich ein Mord durch Subjektivismus gerechtfertigt werden kann. Weniger helle Köpfe werden das Gespräch entrüstet abbrechen, Schlauere werden relativieren und um den heißen Brei herumreden. Das Ergebnis ist dasselbe: Beide wollen sich der Wirklichkeit nicht stellen.

    Nun, welche Alternativen kann es aber geben? Zunächst muss festgestellt werden, dass dieser Kulturrelativismus durchaus einen wahren Kern besitzt: Es ist völlig korrekt, dass jeder Mensch für seine Taten einen Grund hat, und dass ihm zum Zeitpunkt der Handlung diese als bestmögliche erschien. Das ist aber eine reine, deskriptive (also nichtwertende) Feststellung. Die Kulturrelativisten begreifen sie aber normativ, das heißt, weil diese Struktur menschlichen Handelns existiert, muss sie gut sein – ein klassischer naturalistischer Fehlschluss, dessen Grundzüge bereits vor rund 250 Jahren vom großen David Hume enttarnt worden sind. Wenn man nun aber in eine andere Richtung weiterdenkt und hinterfragt, weshalb der Mensch so handelt, wie er handelt, so erreicht man alsbald die Erkenntnis, dass jedes menschliche Handeln der Leidvermeidung, oder positiv: der Lustmaximierung, dient. Hier existiert also eine Konstante, die für alle Menschen – gar für alle Lebewesen – gleichermaßen gilt. Daraus ein ethisches Modell abzuleiten, liegt tausendmal näher, als das völlig unsinnige kulturrelativistische Konstrukt. Wie sieht dieses Modell nun aus? Zusammengefasst besagt es, dass gut ist, was Leid vermeidet und Lust bringt, und dass böse ist, was Leid bringt und Lust vermeidet – sei es bei sich selbst, oder bei einem anderen Menschen. Und ja, dieses Modell rechtfertigt sogar militärische Interventionen, denn wenn durch die Tötung von 1.000 Menschen das Leben von 10.000 Menschen gerettet werden kann, liegt eine moralische Rechtfertigung nach diesem Modell vor. Leider, und das muss einschränkend gesagt werden, weiß man im Voraus nicht, wie viele Opfer ein Krieg tatsächlich fordern wird und wie viele Leben er tatsächlich rettet. Somit wird die Nützlichkeit von militärischen Interventionen stark relativiert, ist aber grundsätzlich durchaus gegeben. Ebenso gegeben und völlig gerechtfertigt ist die Bezeichnung von Terroristen als „böse“, da ihre einzige Auswirkung ist, Leid zu verursachen.

    Anmerkung:
    Es scheint ein gewisses Unverständnis der Begriffe „Leid“ und „Lust“ zu geben, daher eine kurze Erläuterung, wie sie hier zu verstehen sind: „Leid“ meint nicht unbedingt den physischen Schmerz – manche Menschen sind dazu in der Lage, durch Schmerz (sexuelle) Lust zu empfinden. Es meint vielmehr das schlechte Gefühl, die Furcht, die Hoffnungslosigkeit, die Verzweiflung, die Depression, in den meisten Fällen auch den Schmerz, und so weiter. „Leid“ ist ein abstrakter, nichtkörperlicher Begriff, der all das umfasst, was sich negativ auf das individuelle, unmittelbare Befinden auswirkt. Als solcher ist er der Gegenbegriff zur ebenso abstrakten „Lust“, die sich nicht auf die sexuelle Lust beschränkt, sondern all das bezeichnet, was sich positiv auf das individuelle, unmittelbare Befinden auswirkt. Gemeint sind also auch ganz profane Aktivitäten, wie etwa das Stillen von Durst.
    Jedes Lebewesen strebt nach Lust und vermeidet Leid. Es handelt sich hierbei um eine evolutionäre Funktion, die dazu dient, den Reproduktionserfolg zu maximieren. Ein Lebewesen ohne diese elementare Funktion würde etwa seinen Durst nicht stillen, es würde nicht um sein Leben rennen, wenn ein Angriff von einem Räuber droht, es würde sich nicht fortpflanzen – es wäre ganz und gar antriebslos. Ein solches Lebewesen wäre geradezu paradox und vielleicht überhaupt kein „Lebewesen“ im eigentlichen Sinne.

    Qui Bono?

    13. März 2013

    Dass Medien nicht immer die Wahrheit verbreiten, ist mittlerweile ein Allgemeinplatz. Dennoch oder gerade deswegen fühlen sich meist eher einfachere Gemüter dazu berufen, das Weltbild ihrer Mitmenschen mit dieser Erkenntnis in ihren Grundfesten zu erschüttern. Mit triumphierender Mine und bedeutungsschwangerer Stimme wird dann den Unwissenden erklärt, wie wenig man sich auf die Medien verlassen dürfe, dass man alles hinterfragen müsse und dass ohnehin immer gelte: „Qui bono?“

    Nun ist das sicherlich nicht grundfalsch, und kritisches Denken ist immer gut, aber was bei derlei überheblichen Wichtigtuerei mitschwingt, hat mit Kritik und Denken nicht viel zu tun. Kritisch gedacht wäre, wenn jede Information bestmöglich auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft würde. Dieses Vorgehen benötigt allerdings eine kritische Distanz und Unvoreingenommenheit – zwei Eigenschaften, die unseren Quibonisten völlig unbekannt sind. Denn die haben gelernt, dass man mithilfe einer Abkürzung viel schneller zum Ziel kommt, dabei weniger Nachdenken und weniger Kompromisse eingehen muss! Diese Abkürzung besteht in der Umkehrung jeglicher Information (solange sie zum eigenen, kleinen Weltbild passt): In den Nachrichten wird kritisch über das Assad-Regime berichtet – das Assad-Regime muss das eigentliche Opfer sein! Eine Reportage behauptet, der Iran sei eine gefährliche Diktatur – die wahren Diktatoren müssen im Westen stecken!

    Weiterhin interessant ist die Selektivität des Quibonismus! Gewisse Themen werden nämlich bevorzugt „kritisiert“, während andere völlig unkritisch für bare Münze genommen werden. Wird mal wieder die USA oder Israel durchs Dorf getrieben, fühlt sich der Quibonist auf einmal brüderlich mit den Massenmedien verbunden und schätzt sie für ihre Unabhängigkeit und für den Mut, „auch mal“ die „eigentlichen Drahtzieher“ des Weltgeschehens zu „kritisieren“. Kommt dann aber die Sprache auf die Feindesfeinde, so kann man sich einer erleuchtenden, differenzierten und fairen Einschätzung der jeweiligen Informationen sicher sein. Denn dann heißt es wieder, in Internetforen, beim Stammtisch und zum Mittag: „Qui Bono?“

    Eigenlob..

    5. März 2013

    ..stinkt, aber einmal im Monat erlaube ich es mir. Ich predige seit Jahren, dass sich in China mit der Zeit die (bisweilen desolate) Situation der Arbeiter zum Besseren wenden wird, und zwar ohne dauernde Kritik (vor allem von bis zur Zimmerwand denkenden Weltverbesserern) an der schrecklichen und unmenschlichen freien Marktwirtschaft, die in China trotz angeblich sozialistischem System vorherrscht. Meine Argumentation dabei ist, dass mit wachsendem Wohlstand der Unternehmen (und damit des Staates) auch Lohn und Arbeitsbedingungen (und mithin Lebensbedingungen) der Arbeiter zunehmend verbessern. Beispiele dafür sieht man in der ganzen westlichen Welt. Das Zeitalter der Industrialisierung wird heute als die Epoche der Entmenschlichung begriffen, die Unheil über die Welt brachte. Tatsächlich war es eine schlimme Zeit – ähnlich der Situation in China vor einigen Jahren – aber sie brachte in viel größerem Maße Gutes, denn durch die Aufopferung der Arbeiter konnte die Basis für den Wohlstand und Lebensstandard geschaffen werden, die Millionen von Menschen in Deutschland und der gesamten Westlichen Welt heute genießen. Dabei geholfen haben sicherlich nicht zuletzt auch Forderungen der Arbeiter, aber bestimmt nicht überhebliche Statements wichtigtuerischer Moralapostel aus dem kulturell völlig verschiedenen Ausland (wie heute die Kritik der Arbeitsverhältnisse aus Deutschland an China). Daher, so mein Gedanke, hilft es dem chinesischen Arbeiter nicht, wenn man chinesische Produkte aus blinder Menschenliebe boykottiert. Im Gegenteil: Durch dieses Verhalten steigt die Gefahr, dass die ohnehin schon marginalen Löhne weiter gekürzt werden oder zahlreiche Arbeitsplätze gestrichen werden. Ein Effekt, der die Ärmsten am stärksten trifft.

    In China ist derweil die Mittelschicht so stark am Wachsen, dass das Straßennetz in den Großstädten völlig überfordert ist, da so viele Chinesen plötzlich die Mittel haben, sich den Luxus eines eigenen Autos zu gönnen. Und nun verspricht auch die chinesische Regierung, dass „Sozialprogramme […] künftig Priorität erhalten, wirtschaftliche Entwicklungsvorhaben dafür zurück genommen“ werden. Natürlich stößt eine Einmischung der Regierung in Privatangelegenheiten jedem Liberalen sauer auf, aber wenn hinter dieser Aussage die Einführung eines menschenrechtlichen Mindeststandards steht, ist sie nur zu begrüßen.

    Die Moralapostel sehen das natürlich nicht ein, sprechen von einer Bändigung der Bestie Marktwirtschaft (o.ä.) und sind zu blind, um zu erkennen, dass diese Entwicklung dieser „Bestie“ überhaupt erst zu verdanken ist. Aber sie schreien weiter nach staatlicher Steuerung, Regelung und Regulierung, und die deutsche Demokratie – immer dem Willen des Volkes hinterher – rennt weiter mit verbundenen Augen in Richtung Abgrund.

    Zusammengefasst: Ich hatte Recht, die empörten Gutmenschen (ich mag das Wort eigentlich nicht, aber hier passt es so gut) natürlich und wieder einmal Unrecht.