/* Disable XMLRPC add_filter( 'xmlrpc_enabled', '__return_false' );*/ /* Remove XMLRPC, WLW, Generator and ShortLink tags from header remove_action('wp_head', 'rsd_link');*/ feed.the1nter.net » 2012 » Dezember

Zu Weihnachten kommt die Familie zusammen, das ist sehr schön. Weniger schön sind die politischen Diskussionen, die aus der Mischung von vielen Menschen, allgemeinem Mitteilungsbedürfnis, deutscher Unzufriedenheit und Alkohol erwachsen. Im Grunde sind es normalerweise nicht einmal „Diskussionen“, denn die Meinungen sind erstaunlich einhellig: Man ist sich darüber einig, dass alle Politiker Schweine sind, Amerika der Satan und der Kapitalismus das Verderben der Menschheit ist. Vermutungen werden plötzlich zu Fakten und seit Jahren oder Jahrhunderten widerlegte Verschwörungstheorien werden als Wahrheiten dargestellt. Dabei fühlt man sich ganz furchtbar revolutionär und politisch, scheint man sich doch gegen den unaufgeklärten, leichtgläubigen Mainstream zu stellen. Dass man in Wirklichkeit nur die ewig hohlen Phrasen des tatsächlichen Mainstreams wiedergibt, ist niemandem bewusst; dabei bedarf es hierzulande – frei nach Emma Finkelstein – um Amerika zu kritisieren etwa so viel Mut, wie beim Bäcker Brötchen zu holen.

Um etwas konkreter zu werden: Ich hörte mir einiges kommentarlos an, denn ich habe meine Familie sehr gern und wollte die weihnachtliche Harmonie nicht stören. Zudem weiß ich mittlerweile aus Erfahrung, dass Widersprüche nur zu Wutausbrüchen der Gegenseite führen, denn an Argumentation ist niemand interessiert. Man glaubt, was man glaubt, und möchte sich nicht kritisch hinterfragen (man „hinterfragt“ nur alles andere „kritisch“). Als nach ewigem Geschimpfe auf verantwortungslose Manager (die ich auch gern kritisiere, allerdings suche ich nach Lösungen, das ist natürlich nicht gern gesehen; echte Revolutionäre vernichten das herrschende System, sie beteiligen sich natürlich nicht konstruktiv daran) die Sprache dann aber auf die Pressefreiheit in den USA kam, musste ich doch Partei ergreifen. Genauer ging es um den zu erwartenden wirtschaftlichen Aufschwung in den Staaten, ermöglicht durch die riesigen Ölressourcen, die dort bald erschlossen werden können. Das Vorhandensein dieser Ölvorkommen wurde als Propagandalüge(!) bezeichnet, da in den USA ohnehin die CIA das Sagen hätte. Gerade, als man sich wieder in Meinungseinheit zunickte, meldete ich fundamentale Zweifel an. Die Reaktion war ein abruptes Ende der gegenseitigen Bestätigung und ungläubige Blicke in meine Richtung, die in hilflosem Gelächter mündete. Ich machte dann den Fehler und führte nur eine kleine Argumentation an (die erste Argumentation in der gesamten „Diskussion“ überhaupt). Kurz gefasst führte ich an: Solange es in den USA zwei politische Parteien mit unterschiedlichen Zielen gibt, die sich gegenseitig, auch mittels Parteimedien, bekämpfen, ist eine einheitliche, landesweite „Propaganda“ unmöglich. Natürlich ist das nicht das beste Argument, aber es war das erste, was mir in den (durch Alkohol etwas vernebelten) Sinn kam. Und es war mehr als ausreichend, um das ganze Gerede mit einem Satz zu widerlegen. Anstatt die Niederlage anzuerkennen oder gar ihrerseits zu argumentieren, wurden natürlich ad-hominem-Angriffe geführt – nicht, dass ich etwas anderes erwartet hätte.

Jedenfalls möchte ich nun die Gelegenheit nutzen, die Behauptung, in den USA sei die Pressefreiheit so massiv eingeschränkt, dass man von Propaganda sprechen könne, umfassend zu widerlegen. Zunächst ganz einfach empirisch, in einem zweiten Teil dann logisch-argumentativ. In einem dritten Teil soll dann die Gegenseite selbst analysiert werden: Wieso hasst der Deutsche Amerika? Ein interessantes Thema!

Die empirische Widerlegung ist so eindeutig, dass sie im Grunde ausreicht. Aber ich höre schon die „Argumente“ der „kritischen“ „Denker“: Die Daten seien gefälscht! Sie seien ein Produkt der Propaganda! Sie seien keine Widerlegung sondern eine Bestätigung ihrer paranoiden antiamerikanischen Wahnwelt! Natürlich ist es Unsinn, aber ich habe gerne Recht, daher Teil 2. Nun aber in aller Kürze die empirische Widerlegung:

Die Vereinigten Staaten von Amerika befinden sich auf der Rangliste der Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen). Das klingt nach einem eher schlechten Platz, aber wenn man sich die Punkteverteilung ansieht, wird klar, dass sich die USA (14,0 Punkte, Platz 47; je mehr Punkte, desto weniger Pressefreiheit) nur marginal von höher platzierten Ländern, etwa Deutschland (-3,0 Punkte, Platz 16) unterscheidet. Unfreie Länder dagegen haben eine wirklich schlechte Wertung, etwa Iran (136,0 Punkte, Platz 175) oder Nordkorea (142,0 Punkte, Platz 178). Der Freedomhouse-Report zur Pressefreiheit 2012 zeichnet ein ähnliches Bild: Die USA hat 18 Punkte (je mehr Punkte, desto weniger Pressefreiheit), Deutschland 17. Beide Organisationen sind NGOs.

So weit, so gut – mehr im nächsten Teil. Nur eins noch. Sollte einer der Betroffenen diesen Blogpost lesen: Nimm es mir nicht übel! Nichts von alledem hier ist persönlich gemeint. Aber wer radikale Meinungen vertritt, muss radikale Antworten ertragen. Da aber eine argumentative, emotionslose Diskussion face-to-face offensichtlich nicht gewünscht ist, wähle ich eben diesen Weg.

In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!
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„Bevor die Regierung eingriff, waren Milch und Eier teuer; nachdem die Regierung eingriff, begannen Milch und Eier, vom Markt zu verschwinden. Die Regierung erachtete diese Produkte für so wichtig, dass sie eingriff; sie wollte deren Produktion erhöhen und die Versorgung der Bevölkerung damit verbessern. Das Ergebnis war das Gegenteil: der auf Eier und Milch beschränkte Eingriff führte zu einer Situation, die – von Seiten der Regierung betrachtet – noch weniger erstrebenswert ist, als der Ausgangszustand, den die Regierung verändern wollte. Und während die Regierung mehr und mehr in die Wirtschaft eingreift, erreicht sie irgendwann den Punkt, an dem alle Preise, alle Gehälter, alle Zinssätze, kurz: alles im gesamten Wirtschaftssystem von der Regierung bestimmt wird. Und das ist, eindeutig, Sozialismus.“

Frei übersetzt von:

„Before the government interfered, milk and eggs were expensive; after the government interfered they began to disappear from the market. The government considered those items to be so important that it interfered; it wanted to increase the quantity and improve the supply. The result was the opposite: the isolated interference brought about a condition which — from the point of view of the government — is even more undesirable than the previous state of affairs which the government wanted to alter. And as the government goes farther and farther, it will finally arrive at a point where all prices, all wage rates, all interest rates, in short everything in the whole economic system, is determined by the government. And this, clearly, is socialism.“

Ludwig von Mises Institute: Interventionism. Nach: Mises, Ludwig von: Economic Policy. Thoughts for Today and Tomorrow (1979).

Um aufzuzeigen, auf welchem geistigen Level Israels Feinde denken und handeln, erwähnte ich vor einiger Zeit die bösen Killerjudenhaie und fiesen Mossad-Spionagegeier. Ich dachte, es handelte sich um kuriose Einzelfälle. Ich lag falsch.

Wirklichkeiten sind nie identisch mit der Wahrheit, und die Wahrheit ist unmöglich erreichbar – das sind erkenntnistheoretische Binsenweisheiten. Allerdings besteht das wissenschaftliche Ideal darin, Wirklichkeiten zu entdecken, die möglichst nahe an die Wahrheit herankommen. Viele Wirklichkeiten erlangt man aber nicht durch die Wissenschaft, sondern durch andere, sehr viel fehleranfälligere Quellen: Die induktiv verarbeitete persönliche Erfahrung, „hörensagen“, und nicht zuletzt durch massenmediale Kommunikation. Hier ist die TV-Dokumentation als besonders schwarzes Schaf zu nennen: Sie versteht es wie keine andere, dem Rezipienten eine Wirklichkeit zu präsentieren, die zugleich höchst ideologiegetränkt und einseitig, aber auch perfekt als objektive Wahrheit getarnt sein kann. Diese Tarnung kann aber auffliegen, etwa wenn die Übersetzung völlig andere Sinngehalte hat, als der Originalton.

So mir aufgefallen bei der deutschen Übersetzung von „War Tapes – Die Nationalgarde im Irak“, einer Dokumentation, die von den Soldaten selbst gefilmt wurde, und deren Originalton im Hintergrund zu hören ist. Mir fielen etliche Stellen auf, die folgende steht aber repräsentativ für den Rest:
O-Ton: „Funny little kids, in the middle of the warzone [unverständlich] get bad as they get older like many of them do.“
Deutsche Übersetzung: „Lustige Schulkinder, mitten im Kriegsgebiet. Kann man nur hoffen, dass sie nicht so bösartig werden, wie die meisten von ihnen, wenn sie groß sind.“
Wo ist der Unterschied? „Many“ gegen „die meisten“. Der Soldat meinte, dass VIELE der Kinder später böse werden. Die deutsche Übersetzung impliziert, er meinte, dass DIE MEISTEN der Kinder später böse werden.
Kein Grund, darüber einen ganzen Artikel zu verfassen? Im Gegenteil! Der Unterschied der Übersetzung zum Original mag minimal sein, aber sie eröffnet den Raum für enorme Spekulationen. Zunächst die Frage: Was wird mit dieser Fehlübersetzung erreicht? Der amerikanische Soldat wird undifferenziert und stereotyp denkender präsentiert, als er es tatsächlich ist. Und genau das passt zum stereotypen „Ami“, der mal eben wegen dem Öl [sic!] und dem Krieg und sowieso .. wir kennen alle das übliche Gerede. Der Unterschied zwischen „viele“ und „die meisten“ ist nicht groß, aber er ist vorhanden. Viel interessanter ist aber die Frage: Wieso die Falschübersetzung? Ein Übersetzungsfehler? Niemals! „Many of them“ ist so eindeutig mit „viele von ihnen“ zu übersetzen, dass an einen Fehler nicht zu denken ist (die korrekte Übersetzung für „die meisten von ihnen“ wäre indes „most of them“ gewesen) – die Falschübersetzung war also gewollt.
Ich rede hier nicht von konfusen Verschwörungstheorien. Ich glaube nicht, dass irgendein amerikafeindlicher Führungszirkel marginale Falschübersetzungen anweist. Ich glaube schlicht, dass sich die amerikafeindliche Mentalität in Deutschland eben auch durch gewollte Falschübersetzungen ausdrückt; „mal zeigen, wie die Amis wirklich sind!“ oder „mal etwas drastischer formulieren, hat der blöde Ami bestimmt eh gedacht!“.