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Andere Länder, andere Sitten

30. September 2012

Als Verfechter der Menschenrechte bekommt man für gewöhnlich so lange Recht, bis andere Kulturen zur Sprache kommen. Dann kommt extremer Gegenwind auf, der zwei Phasen des Gesprächs kennt:

1.) Andere Länder, andere Sitten. Selbst wenn im Diskussionsverlauf vollmundig die Existenz universeller(!) Menschenrechte attestiert wurde, respektiert man plötzlich die andere Kultur völlig kritiklos. Ein Resultat der 68er? Ich weiß es nicht. Jedenfalls steht die Kultur über allem, auch über den Menschenrechten. Ein naturalistischer Fehlschluss in seiner ärgsten Form: Kultur ist, also ist Kultur gut und richtig.

2.) Auf die vorsichtige Frage, ob ein Vergewaltigungsopfer, das deshalb zur Steinigung verurteilt wurde, seine Kultur tatsächlich so großartig fände, wird nur mit betretenem Schweigen geantwortet. Aber: Angriff ist die beste Verteidigung, also wird das Schweigen schnellstmöglich durch die entrüstete Gegenfrage ersetzt, man wolle doch hoffentlich nicht eine fremde Kultur kritisieren und dann gar noch intervenieren! Selbst wenn eine Kultur aus irgendeinem kaum denkbaren Grund in Frage gestellt werden könnte, so darf man doch wirklich unter keinen Umständen die Souveränität einer Nation verletzen! Oder kurz: Das sei doch schließlich deren Sache. Nun frage ich mich: Wessen Sache? Die Sache des Diktators? Die Sache des Regimes? Die Sache der religiösen Führer? Die Sache der indoktrinierten Mehrheit? Oder doch die Sache des bald gesteinigten Vergewaltigungsopfers?

Ganz ehrlich: Die ganzen trendy Kulturrelativisten sollten mal wieder Realitätsbezug bekommen. Aber im hübschen Wolkenschlösschen Deutschland lässt sich natürlich leicht mit süffisantem Lächeln die Steinigung aufmüpfiger Frauen, das Hängen schwuler Männer oder das Foltern religiöser Minderheiten mit kulturellem Verständnis rechtfertigen.

Addendum: Rattenstudie

26. September 2012

Vor einigen Tagen, im letzten Post, erwähnte ich eine seltsame Studie, die so wiedergegeben wurde, als wäre dies der Beweis für die Gefährlichkeit von Gentechnik. Scheint, als wäre mein Zweifel gerechtfertigt gewesen: Die Studie scheint nicht allzu seriös zu sein.

..denn es titelt in der Welt:

Mit Genmais gefütterte Ratten sterben viel früher

Und der ganze Artikel impliziert, dass diese eine Studie, in der bestimmte Ratten, die bestimmtem genveränderten Mais gefüttert bekamen, bestimmte Krankheiten entwickelten, besage, dass Gentechnik krank macht. So wird der diffusen Fortschrittsangst des deutschen Michels das Wort geredet.

Der nächste Artikel ist nicht besser:

Romney bringt nun auch Palästinenser auf die Palme

..denn er sagte, diese seien „der Vernichtung Israels verpflichtet“. Tja, die Wahrheit tut weh. Was versucht denn das palästinensische Volk und der Großteil der arabischen und persischen Welt seit 1948? Ein Tipp: Die Antwort lautet nicht „Friedenschließen mit Israel“. Ahmadinejad hat die Lösung: „Any freedom lover and justice seeker in the world must do its best for the annihilation of the Zionist regime in order to pave the path for the establishment of justice and freedom in the world.“ Übersetzt: Jeder auf der Welt, der die Freiheit liebt und nach Gerechtigkeit sucht, muss sein Bestes geben, das zionistische Regime (i.e. Israel) auszulöschen, um der Errichtung von Gerechtigkeit und Freiheit in der Welt den Weg zu bereiten.

Nur mal eben am Rande..

13. September 2012

Ist es wirklich so schwer zu verstehen? Hat die palästinensische Propaganda die Hirne der Deutschen wirklich so sehr verblendet? Dabei ist die Sachlage im Grunde ziemlich eindeutig:
Israel hat stets den Dialog gesucht, die Araber nur in Ausnahmefällen.
Das höchste Ziel Israels ist die Erhaltung Israels, das höchste Ziel der Araber ist die Vernichtung Israels.

Ich bin, Gottlob, kein Musikwissenschaftler und auch Literaturinterpretation ist mir eigentlich fremd. Dennoch fiel mir bei näherer Betrachtung unserer Nationalhymne Erschreckendes auf, und zwar direkt in den ersten beiden Zeilen. Jeder kennt sie, der Vollständigkeit halber seien sie hier dargestellt: „Einigkeit und Recht und Freiheit / für das deutsche Vaterland“. Was mich dabei irritierte, war nicht die erste Zeile – Einigkeit und Recht und Freiheit wünscht man sich selbst und allen anderen. Vielleicht nicht in dieser Reihenfolge, aber das ist vernachlässigbar. Die Nationalhymne aber richtet sich nicht an Individuen, sondern an das deutsche Vaterland, und damit ist in bester deutschnationaler Tradition nicht die Gesamtheit aller Deutschen gemeint, sondern das über-individuelle deutsche Kollektiv, das sich anhand der Sprache konstruiert und dem das Individuum klar untergeordnet ist.

„Einigkeit“ meint also nicht das gute, brüderliche Auskommen aller Deutschen miteinander, sondern zunächst die Einigung der vielen autonomen Gebiete und danach die Aufnahme aller deutschsprachigen Gebiete in den deutschen Nationalstaat (früher als die „großdeutsche Lösung“ bezeichnet).

„Recht“ meint also nicht die Achtung und Wahrung der Menschenrechte jedes einzelnen Deutschen, sondern Gerechtigkeit für Deutschland, also wiederum die Annektion aller deutschsprachigen Gebiete, sowie die Anerkennung der deutschen durch andere Nationen nach außen, sowie die Achtung und Wahrung des Kollektivrechts nach innen: Jedes Individuum muss voll und ganz für das übergeordnete deutschnationale Kollektiv leben, notfalls dafür sterben.

„Freiheit“ meint also nicht die erstrebenswerte klassisch-liberale Definition, nach der jedes Individuum alles tun und lassen kann, so lange es kein anderes Individuum damit beeinträchtigt, sondern es meint die Freiheit von außenpolitische Zwängen nach außen und die Freiheit von allem Fremdkulturellen nach innen – das deutsche Kollektiv soll in reinem deutschen Glanz erstrahlen.

So oder so ähnlich hätte, da bin ich mir sicher, von Fallersleben seine Dichtung einem Unwissenden erklärt. Im Grunde könnten wir auch direkt wieder die unsägliche erste Strophe verwenden, die drückt wenigstens klar aus, was sie meint.