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Es gibt zwei weitgehend unbekannte oder übersehene Fakten, die ein erhellendes Licht auf den Nahostkonflikt werfen:

 

1.) Palästina und Transjordanien

Um Israel von Anfang an zu delegitimieren, wird gern als grundlegende Ungerechtigkeit benannt, dass der ursprüngliche Teilungsplan der Peel-Kommission vorsah, den Juden etwa 25 % und den Arabern („Palästinensern“, s.u.) etwa 75 % Palästinas zuzusprechen. Die Juden seien in „palästinensisches“ Gebiet gekommen und hätten es den „Palästinensern“ weggenommen. Dabei wird allerdings verschwiegen, dass der bereits 1922 als „Transjordanien“ gegründete Staat ebenfalls zum ursprünglichen britischen Mandatsgebiet gehörte, 78 % (!) des gesamten Mandatsterritoriums ausmachte (22 % fallen auf Palästina) und ausschließlich arabisch war.

 2. ) „Palästinenser“

Ein gelungener arabischer Schachzug war die Konstruktion des palästinensischen Volks. Während man über die Definition des Begriffes „Volk“ bücherfüllend diskutieren kann, ist in diesem Fall eine Abkürzung über die Wortherkunft zielführend: „Palästina“ beschreibt seit antiker Zeit die Region, „Palästinenser“ deren Bewohner. Die arabischen Palästinenser verstanden sich seit jeher als Araber, nicht als „Palästinenser“, was durch die erstmalige Verwendung des Begriffs „Palästinenser“ als arabische Selbstbezeichnung in den 1970er Jahren belegt.

Siehe auch: http://feed.the1nter.net/?p=190

Gegen die ewige Kulturdebatte

23. Dezember 2011

„Integration“ ist ein Schlagwort, bei dem die Emotionen zu kochen beginnen. Fest scheint zu stehen: Migranten müssen sich integrieren. Ebenso: Integrieren sich Migranten nicht, bedeutet dies das Ende der sogenannten „deutschen Kultur“. Mit dieser Gegenüberstellung von „Migranten“ und „Deutschen“ bzw. „Migrantenkultur“ und „deutscher Kultur“, wird ein Fass ohne Boden aufgemacht, welches völlig wegführt von der ursprünglichen Frage: Wie ist eine gute Gesellschaft heute möglich?
Und genau hier sollte bereits jegliches Gerede von Kultur und Lebensart aus der Debatte verbannt werden. Denn Kultur ist nicht steuerbar (zumindest nicht ohne massive Zuhilfenahme unliberaler Mittel) und ebensowenig voraussehbar. Was dagegen in die Debatte gehört, ist die Frage nach gemeinsamen Nennern, die jedes Mitglied der Gesellschaft für ein erfolgreiches Zusammenleben akzeptieren muss.

Ich schlage vor:
1. Bekenntnis zu allumfassenden Menschenrechten.
2. Bekenntnis zur deutschen Gesellschaft.
3. Bekenntnis zur deutschen Sprache.

Ad 1: Menschenrechte, das bedeutet: Gleiches Recht für alle Menschen, sind fundamental für eine offene Gesellschaft. Wer sie nicht akzeptiert und verteidigt, kann nicht toleriert werden. Eine freie Gesellschaft, die diskriminiert, wäre paradox
Ad 2: Eine offene Gesellschaft kann nur dann funktionieren, wenn von jedem Mitglied für und nicht gegen sie gearbeitet wird. Eine Gesellschaft, die sich selbst zerstört, wäre paradox.
Ad 3: Um produktiv an einer Gesellschaft teilhaben zu können, muss eine gemeinsame Verständigung möglich sein. Eine Gesellschaft ohne Sprache wäre paradox.

Aus diesen Grundpfeilern einer Gesellschaft wird auch jede Debatte um Nationalität nichtig. Niemand muss sich mehr auf konstruierte Herkunftsmythen berufen, die ohnehin keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten, sondern kann sich als Zugehöriger der Gesellschaft betrachten, wenn er jene drei Faktoren akzeptiert.

Kapitalismuskritik ist en vogue, und das durchgehend seit Marx. Dass diese Kritik überhaupt möglich ist, ist dem Kapitalismus, bzw. dem ihn seinerseits ermöglichenden Liberalismus geschuldet. In einem antiliberalen, mithin totalitären System ist Systemkritik für gewöhnlich verboten. Das aber nur am Rande. Viel aktueller ist doch die Frage, was die Kritiker konkret fordern. Man könnte meinen, betrachtet man die aktuellen Manifestationen der Kapitalismuskritik, nämlich die „Occupy-Bewegung“, wirklich gefordert würde nichts. In den Medien wird argumentiert, es gäbe nicht viel oder keine gemeinsamen Nenner der Protestierenden – ich wage zu behaupten: Die Kritik ist möglicherweise, auch auf individueller Ebene, inhaltsleer. Eine unbestimmte Wut macht sich breit (der sorgenfreie Mensch sehnt sich nach der Sorge), und ebendiese wird im Protest kanalisiert. Allerdings nicht, ohne sich zuvor mit kindlichen, mithin unzivilisierten bzw. urmenschlichen Trieben zu mischen: Neid, Aggression, Hass auf das Andere. Dieser Umstand führt dann zu den ridikulösen und unbedachten Forderungen nach einer Revolution. Denn hiermit lässt sich die Konzeptlosigkeit wunderbar kaschieren: „Erst die Revolution, dann wird es uns allen besser gehen!“ Dass dazwischen ein Konzept fehlt, wird verdrängt. Die Forderung ist die Revolution, diese Revolution aber ist inhaltsleer. Denn Revolution kann nur Werkzeug sein (ein relativ unbrauchbares dazu), nicht aber Werkstoff! Der Liberalismus, manifest in der Demokratie, ist geschaffen worden, um das stumpfe und grobschlächtige Werkzeug der Revolution zu ersetzen durch das Präzisionsinstrument der Reform.
Eine Revolution kann notwendig sein. Sie kann notwendig sein, um eine Demokratie zu errichten, um einen Tyrannen zu stürzen, um Willkürherrschaft zu beenden. In Deutschland wäre sie notwendig gewesen, aber protestiert wird hierzulande nur, wenn man nichts zu befürchten hat. Eine Revolution ist nicht notwendig, wenn die Möglichkeit der Reform existiert. Und alles, was eine Revolution erreichen muss, ist die Abschaffung ihrer eigenen Notwendigkeit. Wo dies nicht geschehen ist, wo die Revolution genutzt wurde, um ein System nach Plan zu errichten, ein Gegensystem zum liberalen Kapitalismus, war beispielsweise Russland, dann: Die Sowjetunion. Anstelle des Liberalismus kam der Kollektivismus, anstelle des Kapitalismus die Planwirtschaft. Beides ist grandios gescheitert, und zwar weit hinter der Grenze, ab der man heute den Kapitalismus als gescheitert erklärt (nämlich wenn man für den Liter Benzin plötzlich 1,50 € zahlen muss und eventuell arbeitslos wird, aber dennoch nicht um sein Leben zu fürchten hat). Sieht man sich Russland heute an, sieht man ein verwahrlostes Land auf allen Ebenen.
Bei alldem darf nie vergessen werden, und gern wird das heute vergessen, dass konstruktive Kritik gefragt ist. Differenzierte, begründete, konstruktive Kritik. Die „Bürgerpflicht“. Die ist es nicht, das Bürgertum abzuschaffen, indem die Revolution ausgerufen wird. Sondern die ist es, sich aktiv an der Politik zu beteiligen. Wenigstens mit der Wahlstimme, optimal mit der aktiven Mitarbeit. Aber in Deutschland scheint es eine derartige Tradition nicht zu geben. Hier will man alles oder nichts. Totalen Luxus oder totalen Krieg. Probleme werden nicht gelöst, sie werden vernichtet.

Volk

8. Dezember 2011

Man hört und liest es nicht mehr all zu oft, dennoch geistert das Wort implizit in vielen Köpfen, mithin Meinungen und Einstellungen, herum. Die Rede ist vom „Volk“. Gern wird es getarnt verwendet, nämlich wenn man von der „Kultur“ einer Nation oder eines Landes (was synonym verwendet wird und einen eigenen Beitrag wert wäre) spricht: Die Kultur von heute ist das Volk von früher. Oder präziser: Die Kultur von heute sind die Ausprägungen des Volkes von früher. Oder verständlicher: Wenn man heute von der „Deutschen Kultur“ spricht, meint man die Eigenarten des „Deutschen Volkes“. Nun ist der Begriff „Volk“ gegenstandslos und inhaltsleer, da fast beliebig nutzbar. Niemand kann ihn definieren. Das weiß die Kulturwissenschaft nur zu gut, das „Volk“ weiß es eher nicht. Im letzten Satz wurde er pejorativ verwendet – synonym für „Pöbel“. Manche nutzen ihn synonym für „Bevölkerung“, also den Einwohnern eines Staates – völlig unabhängig von deren Herkunft, Sprache und Kultur. Gehen wir aber näher auf die Nutzung als Träger der „Deutschen Kultur“ ein. Hier beschreibt „Volk“, oder auch „Deutsches Volk“ eine wie auch immer geartete Menge von Menschen, die eine wie auch immer geartete Menge von Eigenschaften genetisch teilt. Klingt nett, klang auch vor 150 Jahren nett, als das Unheil des Rassismus seinen Lauf nahm – es scheitert aber an der Wirklichkeit. Denn es wird eine gewisse Homogenität vorausgesetzt, die genetisch determiniert, in realiter aber nicht vorhanden ist.

Die erste Unwahrheit ist, dass sich im Laufe der Zeit genetisch reine Völker („Rassen“) herausgebildet hätten – im Gegenteil: Die Geschichte der Menschheit ist geprägt von Wanderungsbewegungen und ständiger Mischung (vgl. Hoerder, Dirk: Geschichte der deutschen Migration. Vom Mittelalter bis heute. München 2010.).

Die zweite Unwahrheit (u.a. resultierend aus der ersten) ist, dass genetische Determinanten existieren, die einen „völkischen Charakter“ pränatal festlegen.

Die dritte Unwahrheit schließlich ist, dass ein „Volkscharakter“, bzw. eine „Volkskultur“ überhaupt existiert. Dazu ein Beispiel: Person A lebt in Deutschland, wurde dort geboren, hat ebenfalls dort geborene Eltern. Person A liebt Klassik, Brathähnchen und fährt gern Ski. Person B lebt in den USA, ist Nachkomme mexikanischer Einwanderer. Auch Person B liebt Klassik, Brathähnchen und fährt gern Ski. Person C lebt in Deutschland, wurde dort geboren, hat ebenfalls dort geborene Eltern. Person C liebt Heavy Metal, ist Veganer und verachtet den Wintersport.

Ich denke, weitere Ausführungen wären unnötig. Dennoch eine klärende Bemerkung zum Schluss: Selbstverständlich existieren gewisse Eigenarten, die gewissen Regionen anhaften, allen voran die Sprache (bzw. der Dialekt). Allerdings hat dies noch lange nichts mit einer universalen „Volkskultur“ zu tun. Die Möglichkeiten der Kulturalisierung sind so mannigfaltig, dass heute bevorzugt von „Teilkulturen“ gesprochen werden sollte: Unsere Person A wäre beispielsweise Mitglied der Teilkulturen „Klassikliebhaber“, „Brathähnchengourmet“, „Skifanatiker“, „US-Staatsbürger“, „Mexikanischer Einwanderer“ und noch vieler anderer mehr. Es spricht ferner nichts dagegen, dass Teilkulturen abgelegt werden und andere hinzukommen.