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Demagogische Nichtraucher

16. November 2011

Ich las eben in einem Anti-Raucher-Blog einen Artikel zu den Gefahren des Rauchens (ja, es gibt tatsächlich Menschen, die denken, die deutsche Bevölkerung sei in dieser Hinsicht noch nicht aufgeklärt genug). Den Inhalt kann sich jeder denken: Rauchen verursacht Krebs, Kreislauferkrankungen, Karies usf.; dazu einige Statistiken und mögliche Folgen genannter Krankheiten. Ein Kommentator beschwerte sich daraufhin, einige angeführte Zahlen seien inkorrekt und warf dem Autor des Artikels mangelnde Wissenschaftlichkeit vor. Ebenso – sein größter Fehler – merkte er an, langjähriger Raucher gewesen und seit einiger Zeit auf Kautabak umgestiegen zu sein. Die Reaktion des Autors war eine Belehrungtirade, die mit folgendem Höhepunkt endete:

„Das Leben um dich herum ist grau und leer geworden, weil dein Gehirn nur auf diese spezifische Tabakfreude hin gedrillt wurde. Mit anderen Worten: DEIN LEBEN GEHT GERADE AN DIR VORBEI ! HOL ES DIR ENDLICH ZURÜCK! JAGE DEN TABAK FÜR IMMER ZUM TEUFEL! TRAUERE ÜBER DEINEN VERLUST, ABER DANN STEHE MIT NEUER STÄRKE AUF! ES GEHT UM VIEL!“

Prima. Wen das an Goebbel’sche Märtyrerrhetorik erinnert: Ging mir genauso. In diesen paar Sätzen steckt im Grunde alles, was mir die Nichtraucherfraktion zuwider macht. Zum einen der Inhalt: Demagogisches Schwarz-Weiß-Denken. Wer Tabak konsumiert, dessen Leben ist „grau und leer“. Immer, in jedem Fall. Wer Tabak konsumiert, der hat kein lebenswertes Leben. Das Attribut „lebenswert“ wird an einen einzigen Faktor geknüpft: Tabakkonsument – ja oder nein. Diese Art der Kategorisierung des „lebenswerten Lebens“ gab es schon einmal, da lautete die Frage: Behindert – ja oder nein. Das Problem ist hierbei nicht die Sorge um andere, die ja für ein soziales System jeder Art unbedingt notwendig ist, sondern zum einen das Urteilen über und für andere, und damit verknüpft: Das Urteilen anhand eines einzigen Faktors.

Mit dem Inhalt verknüpft ist auch die Form: Es wird keine Antwort erwartet. Alles ist so formuliert, dass Widerspruch nicht sein kann. Es gibt keine Fragen, keine Annahmen, keine Diskussionsschnittstellen. Was auch nicht nötig ist, denn das eigenen Gedankenkonstrukt ist ein binäres: Tabakkonsument ja oder nein. Ist diese Frage beantwortet, sind alle Fragen beantwortet und die (End)Lösung (der Raucherfrage) ist klar und eindeutig.