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Kulinarischer Orientalismus?

18. Oktober 2011

Was der Orientalismus ist, ist allgemein bekannt: Romantisch-dümmliche Vorstellungen vom urtümlichen, mystischen, gefährlich-verehrungswürdigen, wild-zärtlichen Neger Schwarzen, der sein Reich von einem prunkvoll geschmückten Elefanten herab mit eibenhölzerner eiserner Hand regiert. Frau würde gern mal Haremsdame sein und Mann gern mal mit dem König auf Tigerjagd gehen, um hinterher des Tigers Stoßzahn vom Stammesschamanen oder Königsmagier zum Aphrodisiakum verarbeiten zu lassen.

Diese Ansicht wird heute in diesem Umfang wohl eher selten vertreten. Der Mechanismus aber hat überlebt: Gewisse kulturelle Elemente eines fremden Kulturraums werden gegebenenfalls verfälscht bzw. an den empfangenden Kulturraum angepasst und verabsolutiert. Sehr stark ist dies erkennbar bei asiatischen Restaurants! Wer gern asiatisch isst, wird alsbald auf die Einheitlichkeit der verschiedenen Restaurants stoßen: Die Speisekarte enthält grundsätzlich dasselbe. Mal mit ein, zwei „Spezialitäten des Hauses“, mal ohne. Rotes, grünes, vielleicht gelbes Curry, gebratene Nudeln mit Hühnchen (gebraten oder gebacken), Ente, Schwein, Rind, und noch etwas mit Garnelen. „Sehr scharf“ bedeutet prinzipiell „pikant“. Ich kam nicht umhin, eine authentisch-mongolisch aussehende Bedienung darauf anzusprechen, wie sich das Klischee „Asiaten essen sehr scharf.“ mit der Tatsache „Sehr scharf ist pikant.“ vereinbaren lasse. Er antwortete, die Küche sei auf den deutschen Geschmack angepasst. Als ich in diversen asiatischen Kochbüchern und in einem authentischen(!) thailändischen Imbiss dann noch grundverschiedene Gerichte, als sie im standard-Asiaimbiss zu haben sind, fand, fiel es wie Schuppen von den Augen:

Angeboten wird nicht authentische asiatische Küche, angeboten wird, was sich der gemeine Deutsche unter „asiatischer Küche“ vorstellt und was ihm gleichzeitig schmeckt.

Und so entsteht ein verzerrter Blick auf die asiatische Wirklichkeit, die Küche ist ein herausragendes kulturelles Element.

Rationale for the Iraq War

11. Oktober 2011

Folgende Argumentation stammt nicht von mir, sondern vom Blog „Tapfer im Nirgendwo“, allerdings ist sie so einfach wie genial, dass ich sie an dieser Stelle nochmals mit eigenen Worten wiedergeben möchte.

Es ranken sich zahllose Verschwörungstheorien um die USA, geschürt wurden diese insbesondere durch deren interventionistische Außenpolitik seit dem 2. Weltkrieg. Das Grundelement der meisten Verschwörungstheorien – überhaupt vieler Verschwörungstheorien – ist die Annahme eines riesigen, ausgefeilten Masterplans und dessen perfekte, also (beinahe) fehlerlose Durchführung. Daraus soll resultieren, dass eine Art zweiter Wirklichkeit geschaffen wird: Es existiert, so die Gedankengänge der Verschwörungstheoretiker, eine offizielle Wirklichkeit – hierzu gehören die angeblich manipulierten „Mainstream-Nachrichten“ und die politischen Verlautbarungen, und eine „wahre“ Wirklichkeit, wo die tatsächlichen Handlungen stattfinden, wo die Fäden gesponnen werden. Da die Durchführung des Masterplans fast perfekt ist, entsteht eine fast perfekte offizielle Wirklichkeit.

Die „wahre“ Wirklichkeit kann man, so heißt es, nur erkennen, wenn man hinter die Fassaden schaut. So soll beispielsweise die behauptete Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak nur ein Vorwand gewesen sein, um den nächsten Golfkrieg vom Zaun brechen zu können. Schließlich wurden ja gar keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden. Einen logisch denkenden Verschwörungstheoretiker müsste dieses Faktum aber stutzig machen. Denn – wäre der Masterplan tatsächlich perfekt, wäre alles von langer Hand geplant, würde die gesamte „Führungselite“ daran teilhaben – weshalb gab es dann keine Massenvernichtungswaffen im Irak? Wie groß wäre der Aufwand gewesen, in den Kriegswirren mit höchster security clearance ein paar Container mit chemischen Kampfstoffen in den Irak zu verfrachten und als Kriegsbeute zu präsentieren? Wie groß wäre der Aufwand gewesen, einfach zu melden, man hätte chemische Kampfstoffe gefunden?

Nichts dergleichen ist passiert. Die US-Regierung saß schlicht und einfach einer Fehlinformation auf. Und nach langer und erfolgloser Suche gab sie dies auch zu, was ihr massive, berechtigte Kritik einbrachte.

Ein Argument, das oftmals als schlagender Beweis für eine US-Amerikanische Verschwörung vorgebracht wird, beweist im Grunde genau das Gegenteil. Paradox.