/* Disable XMLRPC add_filter( 'xmlrpc_enabled', '__return_false' );*/ /* Remove XMLRPC, WLW, Generator and ShortLink tags from header remove_action('wp_head', 'rsd_link');*/ feed.the1nter.net » 2011 » September

Stereotypes Denken ist eine Eigenart vieler Gesellschaftskritiker, und war es schon immer. Die Kommunisten dachten in Klassen und versprachen den Himmel auf Erden. „Jeder, der nicht unserer Klasse angehört, ist unser Feind.“ – die Dialektik lehrt das so. „Mit dem Kommunismus ist die perfekte Gesellschaftsform erreicht.“ – das Ende der Dialektik, die perfekte Synthese. Beide Beispiele sind Beispiele für stereotypes Denken. Diese Denkart ist die Bevorzugte vieler Deutschen, was wohl nicht zuletzt dem Deutschen Idealismus geschuldet ist. Es gilt: Alles oder nichts. Pervertiert wird dies dadurch, dass pragmatische politische Entscheidungen danach bewertet werden, ob sie perfekt sind. Genau das ist der Anspruch, den viele an die Politik haben: Sie muss perfekt sein. Kompromisse darf und kann es nicht geben, und obwohl sie sich eigentlich nicht in eine der beiden Kategorien „richtig“ oder „falsch“ stecken lassen, geschieht genau das trotzdem: Bei nicht-Perfektion werden sie als „falsch“ deklariert.

Nehmen wir ein heikles Beispiel: Der NATO-Einsatz in Libyen. Dort kamen durch westliche Hand Zivilisten um. Männer, Frauen und Kinder. Diese Tatsache ist kritikwürdig, und zwar nicht wenig. Von den Gut-böse-Dualisten wird allerdings deshalb eine militärische Intervention generell abgelehnt, denn sie ist nicht perfekt, was sie in deren Augen automatisch falsch macht. Ein Pragmatiker sieht andere Faktoren: Betrachtet man Bürgerkriege der jüngeren Zeit, in die nicht konsequent militärisch eingegriffen wurde, bspw. den Darfur-Konflikt, um nur einen von vielen allein in Afrika zu nennen, so ist das Ausmaß des Leids, das die Bevölkerung erleiden muss, um ein Vielfaches höher, als das Leid, das die Bevölkerung in Libyen, unter anderem auch durch NATO-Bomben, erleidet.

Das wird allerdings von den Dualisten nicht berücksichtigt. Eher werden noch halbgare Argumente ins Feld geführt: Es gehe ums Öl, es gehe um Einfluss, es gehe um Gaddhafi. Nun, vielleicht sind das ebenfalls Faktoren, welche die Entscheidung, zu intervenieren, beeinflusst haben. Selbst wenn – den Menschen, denen dadurch Leid erspart wird, wird das zunächst egal sein. Allerdings sind diese Argumente auch keine Argumente mehr im engeren Sinne: Sie stehen nicht zur Debatte, sie werden nur angebracht, um die bereits gefällte Entscheidung der dualistischen Verteufelung weiter – vor allem für sich selbst, man müsste ja ansonsten Fakten betrachten und reflektieren – zu untermauern.

Die erwähnte Handlungsunfähigkeit entsteht schließlich als letzter Schritt, in dem erkannt wird, dass perfekte Handlungen nicht  möglich sind. Anstatt sich dem Pragmatismus zu fügen, kann dann eine gefährliche Komplettstagnation entstehen.