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Sarrazin-Debatte?

25. Februar 2011

„Deutschland schafft sich ab“ von Herrn Sarrazin hat ja, bereits vor dem Verkaufsstart,  große Begeisterung/Bestürzung/Emotionen ausgelöst. Mittlerweile haben sich anfängliche Gefühlsausbrüche etwas gelegt, und man kann differenzierter auf die Sache blicken. Was sich hier nun auftut, abseits von publizistischen Wortgefechten, wird Sarrazins Anhängern nicht gefallen, sollten diese es überhaupt wahrnehmen. Die Sprache ist von mehreren akademischen Breitseiten, die Sarrazins Theoriegerüst (wenn man es so nennen kann) ohne große Mühe zusammenstürzen lassen. Eine nette Zusammenfassung findet man auf Wikipedia, die ich hier in aller Kürze wiedergeben möchte:

Aufgrund genetischer Ähnlichkeit ließen sich keinesfalls Rückschlüsse auf individuelle Eigenschaften ziehen.

„Aus Erblichkeit und Fertilität im Dreisatz auf eine drohende Verdummung zu schließen, wie Thilo Sarrazin es tut, ist mit einer komplexen Anlage wie Intelligenz schlicht nicht möglich und ignoriert zudem die vielfältigen sozialen Einflüsse. Es wird zu keinem Einbruch des Durchschnitts-IQ in Deutschland kommen, wenn Menschen, die sich in der unteren Hälfte der Intelligenzverteilung befinden, mehr Kinder haben[,]“  (Elsbeth Stern, Psychologin)

Der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland verwahrte sich in einer Pressemitteilung anlässlich der Buchvorstellung „entschieden gegen jede Verfälschung und politische Instrumentalisierung biologischer Fakten“. Sarrazin habe „grundlegende genetische Zusammenhänge falsch verstanden“. Seine Aussagen beruhten auf einem „Halbwissen, das nicht dem Stand der Evolutionsforschung entspricht“. […] Der Verband distanzierte sich von der These, „dass es bei Volksgruppen genetische Unterschiede in Bezug auf Intelligenzleistungen geben könnte“, dies sei „nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens nicht zu erwarten“. Intelligenz sei von vielen Genregionen beeinflusst, die in jedem Individuum neu zusammengewürfelt würden, was zu großen Unterschieden innerhalb einer Gruppe führen könne, jedoch gleichzeitig im Vergleich zwischen Gruppen wie ein Puffer wirke. (Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland)

„Sarrazin versteht von Integration ungefähr so viel wie ich von seiner Domäne, der Finanzpolitik: nämlich nur das, was man sich als Laie so anliest. Der Laie aber strebt oft nach möglichst überschaubaren Erklärungsmustern, weil ihm die Komplexität der Probleme unzugänglich bleibt. Ein solches Muster bei Sarrazin ist zum Beispiel seine These von der erblichen Intelligenz, die in der Oberschicht konzentriert ist. Die Unterschicht ist für ihn das Reich der weithin Unintelligenten. Und weil sich die Unterschicht stärker vermehrt als die intelligente Oberschicht, wird das deutsche Volk angeblich immer dümmer. Im Grunde ist das eine nicht hochkonservative, sondern flach nationalistisch-elitäre Semantik, die in der deutschen Geschichte schon einmal zu fürchterlichen Konsequenzen geführt hat.“ (Klaus Bade, Migrationsforscher)

Seine Thesen über Muslime und Türken seien ähnlich stichhaltig „wie die Aussage, rote Autos führen schneller, weil sie rot sind.“ (Christoph M. Schmidt, Ökonom)

Sarrazins These, „wir würden von Türken unterwandert“, widersprach Klingholz: „Ihre Nettozuwanderung sank von 10.130 im Jahr 2000 auf 1746 in 2005. Seither hat sich die Wanderungsrichtung sogar umgekehrt. 2008, das jüngste Jahr, über das konkrete Zahlen vorliegen, verbucht eine Nettoabwanderung von 10.147 Personen in die Türkei“. Insgesamt seien zwischen 2008 und 2010 deutlich mehr Menschen aus mehrheitlich muslimischen Ländern ab- als zugewandert. Auch könne von einer „hemmungslosen Vermehrung“ in der Türkei längst nicht mehr die Rede sein, derzeit bekämen die Türkinnen im Mittel 2,1 Kinder, was gerade reiche um die Bevölkerung stabil zu halten, zudem werde die Fertilität „mit großer Sicherheit“ weiter sinken. (Reiner Klingholz, Demograph)

Hans Wolfgang Brachinger, Ordinarius für Statistik an der Universität Freiburg i. Ue., Leiter des dortigen Forschungszentrums für Wirtschaftsstatistik und Präsident der Bundesstatistikkommission, nannte Sarrazin in der NZZ einen Laienstatistiker, beklagte dessen mangelnde statistische Kompetenz sowie den „statistischen Analphabetismus“, mit dem die Debatte geführt werde. Sarrazin warf er vor, aus den Datensätzen des Statistischen Bundesamtes Schlussfolgerungen zu ziehen, die daraus nicht zu begründen seien. (Hans Wolfgang Brachinger, Statistiker)

Quelle (um dem Plagiatsvorwurf zu entgehen, vielleicht möchte ich ja irgendwann Verteidigungsminister werden): http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland_schafft_sich_ab#Rezeption_durch_Wissenschaftler – zuletzt aufgerufen am 21.02.2011.