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Je mehr ich mich mit dem Thema Neonazismus in Deutschland beschäftige, desto offensichtlicher wird das, was in unserer Gesellschaft gerne verdrängt wird: Rechtsradikalismus wird in Deutschland zunehmend salonfähiger. Dabei meine ich nicht den extremsten Ausländerhass, der etwa von Gruppen wie dem sog. „NSU“ gelebt wird, und auch nicht den organisierten, gar parteipolitischen Neonazismus, wie ihn etwa die NPD vertritt. Ich meine rechte und rechtsradikale Denkweisen und Argumentationsmuster, die sich immer mehr bei dem durchschnittlichen Bürger verankern, der mit extremem und organisiertem Nazismus überhaupt keinen Kontakt hat. Vermutlich würde er sich sogar vehement gegen die Feststellung, er sei Rechter, Rassist oder Nazi, wehren. Nennen wir dieses Phänomen „unbewussten Nazismus“.

Wie kommt es zum unbewussten Nazismus? Wie kann es sein, dass er immer weiter zunimmt? Gern werden rechte Strömungen auf Ostdeutschland beschränkt, und tatsächlich finden sich dort wahre faschistische Brutstätten. Allerdings birgt diese Feststellung die Gefahr, zu einfachen Erklärungen zu verfallen; die Ostdeutschen hatten nach der Wende keine Perspektive, also wurden sie Nazis. Klingt einleuchtend, zum Teil mag es auch stimmen, aber es handelt sich dabei sicherlich nicht um eine hinreichende, allumfassende Erklärung für das Phänomen des erstarkenden Nazismus. Wie erwähnt gibt es auch im Westen Nazis, und längst nicht alle Ostdeutschen haben sich nach der Wende in des Führers Arme geflüchtet. Rechtsradikalität und Arbeitslosigkeit mögen zwar miteinander korrelieren, aber auch hier kann nicht von Monokausalität gesprochen werden. Denn ebenso wie es arme, perspektivenlose Nazis gibt, existieren durchaus auch wohlhabende, fest im Leben stehende Rechtsradikale. Und genau hier finden sich auch viele der unbewussten Nazis, die sich selbst vielleicht als konservativ, nationalliberal, patriotisch, oder durchaus sogar als links bezeichnen (Links- und Rechtsextremismus besitzen erstaunlich viele Gemeinsamkeiten, nicht von ungefähr steckt im Wort „Nazionalsozialismus“ der links geprägte „Sozialismus“).

Festzustellen ist jedenfalls, dass keine monokausale Erklärung das Phänomen des Neonazismus auch nur annähernd befriedigend erfassen kann. Doch es gibt noch eine weitere Frage, die einen nicht in Erklärungsnot bringt: Anstelle von: „Weshalb Neonazismus?“ fragen wir: „Weshalb Neonazismus, und nichts anderes?“ Denn zweifellos gäbe es viele andere Möglichkeiten, seine Unzufriedenheit (aus welchen Gründen auch immer; etwa Perspektivenlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Marginalisierung, Politik) zu kanalisieren. Doch der Neonazismus steht auf der Liste ganz oben. Egal, ob in einer etablierten Partei, in rechtsautonomen Schlägertruppen, oder unbewusst am sonntäglichen Esstisch: „Wir“ sind immer öfter die Guten, und „Die“ die Bösen. Und ich wage zu behaupten, dass es nicht so sehr der Neonazismus selbst ist, der für seinen hohen Zulauf sorgt, sondern vielmehr der Umgang mit ihm von Gesellschaft und Politik. In Deutschland hat die Demokratie einen vergleichsweise geringen Status. Sie gilt als korrumpierter Sumpf machtgeiler Politiker, die ihre Meinung wie ein Fähnchen im Wind drehen, und als Elfenbeinturm studierter Idealisten, die längst den Boden der Tatsachen verlassen haben. Und so bietet sich der Neonazismus mit einem straffen Führerkonzept, mit unmissverständlichen Ansichten, klaren Zielen, und noch wichtiger: einem eindeutigen Feindbild, als gute Alternative für all die Demokratieverdrossenen an. Schon ein beiläufig daher gesagtes „Früher hätte es das nicht gegeben..“ kann auf eine tiefe, dennoch vielleicht unbewusste neonazistische Denkstruktur hinweisen.

Doch wie soll man dieser Gefahr begegnen? Was nützen all die Analysen und Hypothesen, wenn daraus keine Konsequenz gezogen werden kann? Ich bin der Auffassung, die demokratische Gesellschaft begegnet dem Neonazismus auf einer falschen Ebene. Neonazis werden grundsätzlich mit Samthandschuhen angefasst. Sie werden als vollwertige Bürger behandelt, als Mitglieder der Gemeinschaft, die ein Kavaliersdelikt begangen haben. Dabei sind sie elementare Feinde der Demokratie, unserer Demokratie. Und genau als solche müssten sie behandelt werden. Problemlos und unbehelligt können Neonazis in unserer Gesellschaft leben, solange sie keine Straftat begehen. Eine nazistische Gesinnung ist eben keine Straftat, denn sie ist vom gesetzlich verankerten Recht auf freie Meinung geschützt. Wie kann es aber angehen, dass ein Neonazi, also im Umkehrschluss an Antidemokrat, sich auf ein demokratisches Gesetz beruft? Er, der als erstes die Demokratie und damit die Meinungsfreiheit und damit die Gleichbehandlung der Menschen abschaffen würde, käme er an die Macht, ist Nutznießer ebendieser Meinungsfreiheit. Und das kann und darf nicht sein.

Auch wenn wir alle gerne den Weltfrieden hätten, müssen wir einsehen, dass eine pazifistische Gesellschaftsordnung momentan (und vermutlich auch noch für lange Zeit) keine lange Überlebenschance hätte. Wir benötigen, auch wenn es nicht in diverse idealistische Weltbilder passt, eine wehrhafte Demokratie. Und zwar wehrhaft gegen Feinde von außen als auch gegen Feinde von innen. Und um sich effektiv gegen die inneren Feinde (nämlich Extremisten jeder Couleur) zu schützen, bedarf es einer rigiden Gesetzgebung, die keinerlei Toleranz gegenüber demokratiefeindlichen Ideologien zulässt. Natürlich kann und darf man Gedanken nicht überwachen, und es wäre auch nicht zweckmäßig, ein Denunziantentum zu erschaffen, wie man es aus so gut wie jeder Diktatur kennt. Was dagegen überwacht werden kann, sind öffentliche Äußerungen, sei es auf der Straße bei Demonstrationen, sei es auf radikalen Versammlungen, sei es im Internet. Und genau hier muss dann auch hart durchgegriffen werden, um den Extremisten klar zu machen, dass die Demokratie für sie keine Spielwiese, sondern einen übermächtigen Gegner darstellt. Wer extremistische Positionen skandiert (und ich meine hier Extremismus jeder Art!), hat keinen Platz in unserer Gesellschaft, ebenso wenig wie ein Mörder oder ein Vergewaltiger. Was genau mit diesen Personen geschehen soll, ist eine andere Frage. Gefängnisse radikalisieren, das ist hinreichend bekannt. Und bei aller Härte kann man niemanden lebenslang einsperren, weil er gegen eine Menschengruppe gehetzt hat. Ebenso wenig kann man ihn nicht einfach ausweisen – wohin sollte er schon gehen? Es wäre der temporäre Entzug bestimmter Bürgerrechte denkbar, wobei ich damit natürlich keine grundlegenden Menschenrechte meine. Dazu müsste aber eine Unterscheidung von Menschen- und Bürgerrechten klar möglich sein.

Spätestens jetzt sollte auch der letzte Leser voller Empörung sein, denn in der Tendenz ähnliche Maßnahmen gab es in Deutschland schon einmal, allerdings mit großen Unterschieden: Dort (ich spreche von der Judenverfolgung im Nationalsozialismus) wurde eine Menschengruppe völlig grundlos entrechtet, hier werden diejenigen entrechtet, die sich gegen Demokratie und Gesellschaftsordnung stellen. Dort war es eine absolute, ungebändigte Entrechtung, hier ist sie gesetzlich streng geregelt. Dort verletzte die Entrechtung grundlegende Menschenrechte, ermutigte sogar zum straffreien Massenmord, hier werden Menschenrechte unter allen Umständen gewahrt. Dort bestimmte die Geburt über die Entrechtung, hier ist es die freie Wahl jedes Menschen, sich gegen die Demokratie zu stellen und somit entrechtet zu werden. Es soll nicht darum gehen, den Extremisten zu verletzen, zu demütigen oder über alle Maße bloßzustellen, sondern einzig darum, ihm die Teilnahme am bürgerlichen Leben, an der Demokratie zu verweigern.

Kurzum plädiere ich für eine rigidere Strafgesetzordnung im Bereich des Extremismus, der unvereinbar mit der Demokratie ist. Dabei darf unter keinen Umständen die bürgerliche Freiheit beeinträchtigt werden – ich bin ein erklärter Gegner von Sicherheitswahn, Planwirtschaft und der Entmündigung des Bürgers. Das Ziel muss sein, Extremisten weitgehend aus unserer Gesellschaft auszustoßen, zumindest solange sie diese extremistischen Einstellungen vertreten. Das gilt für Neonazis ebenso wie für Linksextreme, Autonome, Islamisten, christliche Fundamentalisten und andere antidemokratische Gruppierungen. Es kann nicht sein, es ist gar paradox, dass Extremisten die Demokratie dazu nutzen, die Demokratie zu bekämpfen. Hier muss die Demokratie radikal (im exakten Wortsinn) und mit eisernem Willen durchgreifen.

Es ist ein Mythos der Moderne, dass die Demokratie die Vollendung, das notwendige Ende der Staatssysteme ist. Sie ist nur ein System unter vielen und daher einer konstanten Bedrohung ausgesetzt. Die Demokratie wird als gegeben und ewig empfunden, dabei muss sie ständig um ihr Überleben kämpfen. Nur wenn dieses Bewusstsein sich bei den Bürgern wieder durchsetzt, hat die Demokratie langfristig eine Chance gegen die barbarischen Kräfte von außen und innen. Betrachtet man aber die „Politikverdrossenheit“ und „Demokratiemüdigkeit“ der Bevölkerung, so kommen mir ernsthafte Zweifel, ob unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung überhaupt noch diese Dekade überlebt.

Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass meine Forderungen kein großes Gehör finden werden. Nicht nur wegen des relativ kleinen Leserkreises meines Blogs, sondern vielmehr wegen dem oben genannten allgegenwärtigen Wahn, die Demokratie müsse sich nicht verteidigen. Daher habe ich eine weniger politische Anregung, die man auch als Bürger umsetzen kann: Zeigt auf Gegendemonstrationen die Verteidigungsbereitschaft der Demokratie. Malt keine bunten Flaggen, singt keine fröhlichen Lieder, macht nichts, was die Extremisten als Schwäche deuten könnten. Schwenkt einheitliche, brutale Fahnen, brüllt markige Parolen, schlagt die Extremisten mit ihren eigenen Waffen. Sie sind anders nicht zu erreichen. Aber verzichtet dabei auf körperliche Gewalt, denn es ist eine der herausragenden Eigenschaften der Demokratie, dass die individuelle Gewalt von der gewählten Staatsgewalt vertreten wird. Und zu guter Letzt: Lasst euch nicht von anderen Extremisten vereinnahmen. Nur allzu gern mischen sich gewaltbereite Extremisten anderer Gruppierungen unter demokratische Gegendemonstranten, um diese dann unter ihrer eigenen Flagge marschieren zu lassen.

Wer sich über Oswald Spengler informiert, wird relativ bald die extreme Verbindung entdecken, die heute von ihm zum Nationalsozialismus gezogen wird. Bei Wikipedia etwa wird Spengler als „geistiger Wegbereiter des Nationalsozialismus“ bezeichnet, anderswo wird von Spengler als Hitlers größte Inspiration gesprochen. Und damit dürfte für die meisten das Thema auch schon wieder beendet sein; wer möchte sich schon eingehend mit Ansichten beschäftigen, die offenbar direkt zu Hitlers Nazideutschland führten? Ich habe allerdings den Versuch gewagt und mich, ohne vorher irgendwelche Zusammenfassungen oder Biographien zu lesen, mich direkt mit Spenglers Hauptwerk beschäftigt. Und siehe da: Bereits in der Einleitung erweist sich Spengler als haarscharfer Beobachter, der nicht nur Themen anspricht, die noch heute brandaktuell sind, sondern der auch durchaus exakte und richtige Schlüsse daraus zieht.

Nun wäre es falsch, alle Wissenschaftler, die sich intensiv mit Spengler befasst haben, der Lüge zu bezichtigen, und Spengler als einen großartigen Philosophen (besser: Kulturwissenschaftler) ohne jeden Makel zu bezeichnen. Besonders die tieferen Schlüsse, die er aus seinen Beobachtungen zieht und die sich schon auf einer Metaebene befinden, sind nicht unbedingt einleuchtend und kritiklos annehmbar. Aber ich finde, bei der Spengler-Rezeption stand immer seine angebliche Nähe zu dem zweifellos erbrechen im Nationalsozialismus im Vordergrund, und das eigentlich Erwähnenswerte, Spannende, Interessante und Einleuchtende wurde stets nur am Rande und widerwillig zugestanden.

Was hat Spengler nun aber so Herausragendes erkannt, dass ich ihm einen separaten Artikel widme? Wie gesagt, sind es bei Spengler eher die einleitenden Worte und Beobachtungen, die mich bei der Lektüre seines Hauptwerks (Der Untergang des Abendlandes) tief beeindruckten. Die Schlüsse und übergeordneten Theorien, die er daraus ableitet, sind allerdings fragwürdig, wenn auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Beginnen wir zunächst mit diesen übergeordneten Theorien, um das Unbequeme direkt zu Beginn abzuarbeiten.

Spengler ist der Ansicht, Gesellschaften würden sich notwendigerweise dualistisch-zyklisch entwickeln, und es gäbe keine Möglichkeit, diesem Zyklus zu entrinnen. Er unterscheidet dabei Kulturen von Zivilisationen, die sich jeweils abwechseln. Während die reine Kultur nur das Mythische, das Religiöse, das Künstlerische, das Natürliche kenne, gäbe es bei der reinen Zivilisation nur das Logische, das Mathematische, das Rationale. Die Entwicklung einer Gesellschaft nach Spengler kann man sich als Sinuskurve vorstellen, die sich immer von der Kultur zur Zivilisation und wieder zurück entwickelt. Spengler bevorzugt dabei keine der beiden Gesellschaftsformen, und sieht als Voraussetzung eines guten und erfolgreichen Lebens das Annehmen dieser übergeordneten Zyklen. Dagegen anzukämpfen hält er für verschwendete Energie. Spengler zieht die historische Entwicklung verschiedener Gesellschaften der Welt als Belege für seine Theorie heran.

Das ist also die Kernaussage seines Werkes, und ich muss gestehen, dass ich die Verbindung zum Nationalsozialismus beim besten Willen nicht erkennen kann, aber vielleicht habe ich mich einfach noch nicht tief genug damit befasst. Wie auch immer – auf die Kernaussage kommt es mir ohnehin nicht an, denn die mag zwar tendenziell in vielen Beispielen zutreffen (man denke nur an das derzeitige Erstarken der Esoterik, einem nach Spengler kulturellen Element, in unserer durch und durch technisierten, also zivilisierten Welt), aber eine „notwendige Entwicklung der Geschichte“ ist schlicht und einfach Unsinn. Es war Unsinn bei Hegel, war Unsinn bei Marx und ist eben auch Unsinn bei Spengler.

Nun aber zum interessanten Teil. Die erste wichtige Beobachtung, die Spengler macht, ist der historische wie regionale Eurozentrismus moderner Geschichtsschreibung. Dieses Thema ist heute noch hochaktuell, und die explizite und radikale Kritik Spenglers zu seiner Zeit (Anfang des 20. Jahrhunderts), ist erstaunlich progressiv und weitblickend. Man kann kaum glauben, dass Spengler einer der größten Vertreter der konservativen Revolution gewesen sein soll. Was kritisiert Spengler konkret? Er untersucht, wie gesagt, die moderne Geschichtsschreibung, wobei ihm auffällt, dass je näher die bearbeitete Zeit an der Gegenwart und je näher die bearbeiteten Ereignisse am geographischen Europa liegen, desto umfangreicher und ausführlicher werden sie behandelt. Daraus folgt, dass bedeutende Hochkulturen, die allerdings vor langer Zeit an fernen Orten existierten (etwa die mexikanische oder ägyptische Kultur), so abgefasst wird, dass ein Jahrtausend jener Kulturen einem so vorkommt, wie ein einziges Jahr der jüngeren europäischen Geschichte.

Die andere wichtige Beobachtung ist der Einfluss der Gesellschaft auf die wahrgenommene Wirklichkeit. Spengler radikalisiert diese Feststellung so weit, dass nach seiner Meinung Theorien, Mentalitäten und Wirklichkeiten aus einer reinen Kultur in einer reinen Zivilisation nicht verstanden werden können, und umgekehrt. Auch das bestätigt sich, zumindest tendenziell, in den erfolglosen, gegenseitigen Missionierungsversuchen von Esoterikern und Rationalisten, die jeweils ihre Ansichten für absolut wahr halten. Dabei möchte ich keinesfalls Wissenschaft und Esoterik auf eine Stufe stellen – objektiv ist die Wissenschaft richtig und die Esoterik hanebüchen, aber subjektiv eben nicht. Wie erwähnt radikalisiert Spengler diese Ansicht allerdings, indem er die Existenz einer objektiven Wahrheit komplett verneint. Die Beobachtung der Abhängigkeit der Wahrnehmung und Denkweise von der Gesellschaft ist aber ein wissenschaftliches Grundprinzip, das zu Spenglers Zeit keinesfalls selbstverständlich war.

Und so formuliert und kritisiert Spengler in seiner Einleitung zwei überaus wichtige und revolutionäre Punkte, nämlich den Eurozentrismus und die Relativität der individuellen Wahrnehmung, die selbst in der Wissenschaft auch heute noch lange nicht selbstverständlich berücksichtigt werden. Diese Errungenschaften Spenglers werden bei der Fokussierung auf den Nationalsozialismus leider ausgeblendet, und so wird eine adäquate Bewertung der Person und des Philosophen oder Kulturwissenschaftlers Spenglers verunmöglicht.

Typisch deutsch! Absolute Gehorsamkeit? Preußische Disziplin und industrielle Massenvernichtung? Bürokratismus? Recht und Ordnung? Blinde Staatsgläubigkeit? Liegestuhl reservierende Urlauber auf Mallorca? Ja, vielleicht. Auch. Aber mittlerweile hat sich eine Eigenschaft besonders etabliert, die man bei einem so großen Teil der Bevölkerung zu finden scheint, dass sie wirklich als „Mentalität“ bezeichnet werden kann. Die Träger dieser Eigenschaft würden sie „kritisches Denken“ nennen, aber das ist schon eine krasse Verzerrung des Begriffs. Denn eigentlich meint „kritisches Denken“ das Nachprüfen von Behauptungen, die Suche nach Wahrheit, das Infragestellen von Autoritäten und nicht zuletzt: Die konstruktive Suche nach Problemlösungen. Eine wirklich großartige Eigenschaft, die man sich selbst und jedem anderen Menschen nur wünschen kann.

Aber was unterscheidet das echte „kritische Denken“ vom falschen „kritischen Denken“? Letzteres ist, in aller Kürze, die selbstgefällige Verachtung von all dem, was einem nicht in den Kram passt, die willkürliche Definition abstrusester Behauptungen als „Wahrheit“ und die Verschleierung der eigenen Ziele, indem irgendwelche höheren moralischen Kategorien vorgeschoben werden. Der deutsche kritische Denker versucht nicht, in aller Gelassenheit und Genauigkeit ein Problem zu analysieren und konstruktiv anzugehen. Nein: Er empört sich, er schreit hysterisch auf, er überhöht das Problem zum Bösen an sich; er sieht darin das Ende der Zivilisation, die Verschwörung der Mächtigen, den Zorn Satans; er kann es nur im Ganzen sehen, im Ganzen hassen, im Ganzen zerstören; akzeptieren kann er keine Lösung, keinen Kompromiss, nur die völlige Vernichtung; er kann nicht differenzieren, kann nicht diskutieren, kann nicht einsehen – nur verblenden, dogmatisieren und noch lauter schreien. Er sucht die Gesellschaft seinesgleichen und ist damit in Deutschland wohl zuhause. Niemand wird sich erdreisten, ihn zu hinterfragen – er möchte doch Gerechtigkeit! Für alle Menschen! Wie könnte er damit falsch liegen? Dass diese Argumentation die angebliche Intention mit der Konsequenz gleichsetzt, scheint niemand zu bemerken.

Mit Leichtigkeit erklärt er die Verschwörung um 9/11, die Ölgier der Amerikaner, die Vergiftung der Bevölkerung durch die Regierung mit verschiedensten Mitteln; mit der größten Selbstverständlichkeit setzt er Israel mit Nazideutschland gleich, spricht vom Kapitalismus wie von Pest und Cholera, unterstützt er Revolutionen jeder Art. Es ist so einfach: Er, der deutsche kritische Denker, weiß genau, was Gut und was Böse ist – es ist doch auch so offensichtlich! Er muss nicht einmal mehr den Stammtisch aufsuchen, im Internet warten Millionen von Websites auf seinen Besuch und Dokumentationen auf seine Aufmerksamkeit damit sie ihn weiter aufklären können über das Übel der Welt. Und diese „Aufklärung“ saugt er auf. Kritisches Denken? Doch nicht hier! Wie kann man es wagen, die deutschen kritischen Denker zu kritisieren? Schon vergessen? Sie wissen doch über Gut und Bös‘ Bescheid! Ausnahmslos, immer, ausschließlich: Etablierte Meinungen, bewährte Methoden, erfolgreiche und mächtige Personen sind das Problem.

Und ihre Lösung? Vernichten! Weg mit dem Kapitalismus, occupy everything! Weg mit den Amerikanern, ersäuft sie in Öl! Weg mit den Israelis, Inch’Allah! Weg mit der Schulmedizin, wer heilt hat recht! Weg mit der Demokratie, viva il Duce!

Das ist er also, der neue alte Deutsche. Der kritische Denker. Besessen von seiner German Angst erträgt er es nicht, wie die Problemlösung auf der Welt voranschreitet. Langsamen, stetigen Fortschritt kann er nicht ertragen, selbst ein großer Rückschritt ist ihm lieber; Rückschritt im Gleichschritt, das fasst seinen Ungeist gut zusammen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich kaum etwas höher schätze als die Wissenschaft (nicht die Akademie, aber das ist ein anderes Thema). Dennoch stellt der Atheismus keine brauchbare Option für mich dar. Für die wissenschaftlich Denkenden handelt es sich nur um eine begriffliche Unschärfe, die das ganze Problem verursacht, für viele aber, die sich einfach nur aus der Unvorstellbarkeit eines Gottes heraus „Atheisten“ nennen, möchte ich etwas Aufklärungsarbeit leisten.

Zunächst die begriffliche Klärung:
Ein..

  • ..Theist ist ein Mensch, der an die Existenz eines Gottes glaubt.
  • ..Atheist ist ein Mensch, der an die Nichtexistenz jedes Gottes glaubt.
  • ..Agnostiker ist ein Mensch, der sowohl Existenz als auch Nichtexistenz eines Gottes (besser: Schöpfers) für möglich hält.
  • Während es recht klar ist, was ein Theist und was ein Atheist ist, sei der etwas kompliziertere Agnostiker kurz näher erläutert: Der Agnostiker ist der einzige, der wissenschaftliche Methoden an die Gottesfrage anlegt. Niemand kann wissen oder auch nur ahnen, worin die Welt ihren Ursprung hat. Die Entwicklung des Universums, der Erde und des Lebens auf der Erde lässt sich in vielen Fällen mit erstaunlicher Genauigkeit zurückverfolgen – die grundlegende Entstehung jedoch nicht. Der Urknall ist der letzte Punkt in der Entwicklung der Wirklichkeit, dessen Existenz wir wissenschaftlich für wahrscheinlich erachten können. Was aber den Urknall selbst ausgelöst hat, ist Gegenstand reiner müßiger Spekulation. Ebenso können wir wissenschaftlich zwar die Naturgesetze – die Gesetze der Schwerkraft, des Magnetismus, der Evolution etc. – erfassen, nicht aber, weshalb gerade diese Gesetze existieren.

    Der Agnostiker erkennt dieses Unwissen an und beschäftigt sich mit dieser für den Menschen unbegreiflichen Erkenntnisebene höchstens in seiner Freizeit. Sowohl der Theist als auch der Atheist sind allerdings beide der Meinung, sie könnten diese Ebene – wie auch immer – erreichen und mehr als nur Vermutungen darüber anstellen. Dem Theist dienen meist die Offenbarungsgeschichten seiner Religion als Quellen des angeblichen Wissens über jene Ebene. Der Atheist dagegen erliegt einem logischen Irrtum: Mit dem Agnostiker ist sich der Atheist darüber einig, dass die Vorstellungen des Theisten unwissenschaftlicher Unfug sind. Dann aber geht er einen Schritt zu weit und schließt fälschlicherweise, dass es überhaupt keinen Schöpfer geben kann, wenn es keinen menschlich erdachten Schöpfer gibt.

    Tatsächlich ist es so, dass sowohl der Theist im Irrtum ist (siehe oben), aber der Atheist ebenso. Denn während der Theist behauptet, es müsse einen bestimmten, menschlich erkennbaren Schöpfer geben, konstatiert der Atheist, es könne keinen Schöpfer irgendeiner Art geben. Beides sind konkrete Aussagen über eine Ebene, von der keine Aussagen gemacht werden können. Wer sich „Atheist“ nennt, erliegt demselben unwissenschaftlichen Irrtum wie der Theist.

    Aber ich bin mir sicher, dass viele Menschen „Agnostiker“ meinen, wenn sie „Atheist“ sagen!

    Als esoterisch werden Annahmen und Überzeugungen bezeichnet, die sich einer logischen Überprüfung verwehren – aus dem einfachen Grund, dass sie einer solchen Überprüfung nicht standhielten. Ursprünglich bezeichnete die Esoterik eine geheime, nur einem bestimmten Personenkreis zugängliche Lehre. Früher konnten es sich bei diesen Lehren durchaus um vernünftige philosophische oder naturwissenschaftliche Systeme handeln, die aus gewissen Gründen der breiten Öffentlichkeit vorenthalten wurden – etwa, um nicht mit den vorherrschenden Lehren in Konflikt zu geraten. Auch heute bilden die Anhänger esoterischer Thesen nicht selten mehr oder weniger abgeschlossene Gruppierungen, allerdings aus anderen Gründen als früher: Zunächst ist es ein grundlegendes Bedürfnis jedes Menschen, sein Weltbild von anderen bestätigt zu bekommen. Da viele esoterische Systeme aber zu grundlegenden Ansichten unserer Kultur im krassen Widerspruch stehen, wären jene esoterische Kategorien einer konstanten Anzweiflung ausgesetzt, woraus die Isolierung und die Vergemeinschaftung der Esoteriker mit ihresgleichen resultiert – sie erschaffen sich ihre eigene Welt und verkehren nur mit Menschen, die ebenfalls in dieser Welt leben.

    Daneben wird diese Zirkelbildung auch von den Führern der jeweiligen esoterischen Systeme vorangetrieben, und zwar aus einem höchst profanen Grund: Wegen des Geldes und nicht zuletzt wegen der Macht. Die wohl populärste Form jener esoterischer Führer sind sogenannte Sekten-Gurus, die nicht selten auch eine räumlich abgegrenzte Gruppenbildung anstreben. Extreme Beispiele wären hier etwa diverse, nach außen abgeschottete Sekten-Kolonien oder das Scientology-Trainingsschiff, das die meiste Zeit in internationalen Gewässern kreuzt und den Passagieren so effektiv jede Fluchtmöglichkeit nimmt.

    Durch die völlige räumliche wie mentale Isolation der Anhänger von der Außenwelt können so qua Indoktrination und Propaganda felsenfeste Überzeugungen in deren Charaktern erschaffen werden, die bis hin zur fast völligen kulturellen Inkompatibilität mit den Menschen in der Außenwelt führen können. Natürlich ist eine Führungsperson, ein Guru nicht zwangsläufig Voraussetzung für eine esoterische Weltanschauung. Gerade in Zeiten der globalen Vernetzung werden esoterische Ansichten über das Internet schnell verbreitet. Bei dieser Art von autodidaktischer Esoterisierung eines Individuums kann man einen mehrstufigen Prozess beobachten, der in einem komplett entrücktem Weltbild endet: Die Grundvoraussetzungen sind für gewöhnlich eine gewisse Unzufriedenheit mit der momentanen Situation (egal, ob finanzieller, partnerschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer oder anderer Art), eine gewisse irrationale und unwissenschaftliche Denkstruktur und ein Mangel an gesundem Menschenverstand.

    Wer sich im Internet bewegt, stößt zwangsläufig irgendwann auf esoterische Ansichten (teilweise werden sie sogar von eigentlich vertrauenswürdigen Seiten transportiert); insbesondere Verschwörungstheorien haben derzeit Hochkonjunktur. Diese sind so formuliert, dass sie leicht verständlich auf den ersten Blick absolut einleuchtend sind. Die Möglichkeit einer Falsifikation im wissenschaftlichen Sinn ist selbstverständlich nicht gegeben. Ein weiteres und sehr charakteristisches Merkmal, das stets vorhanden ist, stellt der Verweis auf gewisse Interessengruppen dar, welche die angebliche Wahrheit verhindern wollen. Damit werden zwei Funktionen erfüllt: Erstens wird so die Frage geklärt, weshalb so einleuchtende und meist angeblich weltverbessernde Ansichten nicht globaler Konsens sind. Ein Beispiel: Ein Motor, der mit Wasser läuft, wäre die Lösung des Energieproblems der Menschheit, aber die Ölkonzerne verhindern laut esoterischer Argumentation dessen Einführung. Zweitens wird durch den Verweis auf jene Interessengruppen ein dualistisches Weltbild transportiert, das Grundvoraussetzung für esoterische Ansichten ist. Der Dualismus besteht in der Aufteilung der Welt in die Guten, also die Esoteriker, welche die angebliche Wahrheit kennen und sie zugunsten der Menschheit verbreiten wollen, und in die Bösen, also die Vertreter herkömmlicher Modelle und Theorien, welche die Verbreitung der angeblichen Wahrheit verhindern und oftmals der Menschheit schaden wollen.

    Lässt ein Individuum nun die Bildung einer esoterischen Überzeugung zu, stößt es damit auch eine Umstrukturierung seines gesamten Weltbildes an, denn ohne diesen Dualismus können esoterische Überzeugungen nicht existieren. Denn gäbe es niemanden, der aktiv gegen die angebliche Wahrheit vorginge, weshalb ist diese angebliche Wahrheit dann nicht allgemeiner Konsens? Das Individuum, das anfangs also nur dem Glauben an den Wassermotor folgt, wird bald schon in eine Spirale der Esoterik gezogen, aus der es immer schwieriger wird, zu entrinnen, da sich fast der gesamte Charakter dementsprechend anpassen muss. Esoterische Annahmen werden aufgesaugt, das rationale Denken wird völlig unterdrückt, und der Hass auf die Bösen wird immer größer. Die Gruppe jener Bösen ist indes erstaunlich homogen: Es sind „die Reichen“, „die Mächtigen“, Großkonzerne, die Pharmaindustrie, Politiker, Illuminaten, Freimaurer, Bilderberger, Amerikaner, Juden und so weiter.

    Einen Beleg für diese extrem wirkenden Behauptungen findet man in jedem Gespräch mit einem beliebigen Esoteriker. Man kritisiere sein Spezialgebiet – seien es Chemtrails (Kondensstreifen am Himmel, die in Wahrheit geheime Wirkstoffe sein sollen), sei es der Wassermotor, sei es die Behauptung, die Bundesrepublik existiere nicht, seien es Verschwörungstheorien zu den Anschlägen auf das World Trade Center – und man beobachte die Reaktion: Unter Vermeidung oder Leugnung von Fakten wird man einen Monolog präsentiert bekommen, der nicht nur das jeweilige Thema behandelt, sondern zumindest eine Verschwörung genannter Interessengruppen andeutet, wenn nicht gar ausführlich beschreibt.

    Something I posted online after watching a long documentary about Timothy Treadwell, a man living with bears for years, allegedly trying to protect them and finally getting killed by one of them.

    Okay, some deeper analysis now that I completed watching. Timothy seemed to me having a deeply disturbed personality. His showmanship, for the viewer seemingly grotesque and theatrical, was for him the reality. In his former life, he wasn’t successful, so he searched for a way not to become more successful in that life, but to find a new life where he is intrinsically successful. The solitude is an important factor since it guarantees that nobody can doubt his success and hence destroy the personality he created. Of course, he wasn’t conscious about all this, and he didn’t pretend the abstrusely exaggerated emotions he shewed in some scenes.

    With his role as the protector of the bears he chose a clear black/white scenario. He fought for the endangered, for the good against the evil. Everybody who doubted him (and hence his whole new life) was evil, so he didn’t have to confront these doubts. By this segregation from humanity he encountered the problem of being biologically human, so he tried to further alter his life. He not only created a new life and personality, he even wanted to become a bear. Since this was – of course – not possible, he assigned human attributes to nature. For him this felt like coming closer to the bears, but in fact he pulled his image of the bears closer to him. Hence one can understand why he broke down completely when discovering the killed little bear: His imaginative bears would never have been so cruel and inhumane. Still, he was enrooted far too deep in his delusive new, successful life to be able to rationally reflect on that obvious illogicality, so he simply broke down.

    There’s finally one more interesting point to make: The absoluteness of his new life. By choosing to live with bears (and not with camels, for instance) he immunized his new life radically against any criticism. Because while being alive, Timothy was the living proof of the validity of his claims – the bears didn’t attack him, because they knew that he was one of them. If they someday killed him and thereby falsify his claims, he wouldn’t live anymore to be confronted with it.

    Indem sie den UN-Menschenrechtsrat für dessen israelkritische Resoultionen loben, zeigt die palästinensische Führung ihren feinen Sinn für Humor.

    Lustig dabei ist vor allem der „Menschenrechtsrat“ selbst, denn aktuelle Mitglieder sind unter anderem:

  • Benin: In Gefängnissen wird straffrei misshandelt, Homosexualität stellt eine Straftat dar.
  • Botswana: Auch hier darf man als Homosexueller mit einer Gefängnisstrafe von bis zu sieben Jahren rechnen.
  • Indonesien: In einer Region gilt die Scharia – gesellschaftliche Abweichler (es genügt die Missachtung der Bekleidungsvorschriften!) erwarten dort Umerziehungsmaßnahmen, Atheisten Gefängnisstrafen.
  • Republik Kongo: Pygmäen werden gern von Bantus als Sklaven gehalten. Keine Metapher.
  • Burkina Faso: Frauen werden verstümmelt („beschnitten“) und sind quasi entrechtet. Homosexualität ist strafbar.
  • Kuwait: Frauenrechte sind beschnitten, das Internet wird zensiert.
  • Der durchschnittliche Wert aller 15 Mitgliedsstaaten im „2013 Index of Economic Freedom“ beträgt 3.2, wobei 1 „frei“ und 5 „unterdrückt“ bedeutet. Dass diese UN-sanktionierte Realsatire sich erdreistet, dem einzigen freien Staat im Nahen Osten Vorwürfe wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen zu machen, ist wirklich unglaublich.

    Aber natürlich darf man das nicht aussprechen, denn es entspricht ja deren Kultur, und die Menschen wollen ja so und nicht anders leben, auch die Opfer! Und überhaupt: Wie können denn kulturelle Elemente Menschenrechte verletzen? Der einzige Staat auf der Welt, der tatsächlich Menschenrechte verletzt, sei Israel, so der allgemeine Konsens. Die tatsächliche Bedeutung dieser ohnehin schon völlig absurden und hasserfüllten Einstellung, ist: Die Wurzel allen Übels seien die Juden!

    Na klar – jeder damit Konfrontierte würde diese Mentalität vehement abstreiten, schließlich sei er ein Freund der Juden, habe selbst jüdische Freunde, möchte doch einzig verhindern, dass die Juden denselben Fehler begingen, wie dazumal die Nazis. Und ich glaube, dass sie von dem, was sie da sagen, absolut überzeugt sind. Aber zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein klafft ein tiefer Spalt, der nur mithilfe allzu selten angewandter Selbstreflexion überwindbar ist.

    Ich gebe diesen so sehr fehlgeleiteten Individuen keine große Schuld – es ist ja schier unmöglich, sich vor der allgegenwärtigen propalästinensischen Beeinflussung zu schützen. Man muss nur einmal vergleichen, wie viele Sonderkommissionen, Gremien, Hilfsorganisationen, Aktivisten, Dokumentationen, Reportagen etc. zum Thema „Palästina“ und dagegen zum Thema „Darfur“ existieren.

    UPDATE:
    Gerade las ich in den Nachrichten, dass sich ein Saudi entscheiden darf, zwischen einer Querschnittslähmung und einer Geldstrafe. Er befindet sich aber nicht in der Hand skrupelloser Verbrecherbanden, sondern in einem saudi-arabischen Gefängnis, wo er ganz offiziell vor diese Wahl gestellt wird. Natürlich hat er die umgerechnet 200.000 € nicht, und so bleibt die „Wahl“ ein zynischer Strohhalm. Ihm wird also bald von Medizinern das Rückenmark durchtrennt werden. Seine Tat: Er lähmte mit einer Messerattacke sein Opfer, und da in der Scharia Spiegelstrafen durchaus üblich sind, hat also alles seine „Richtigkeit“.
    Warum erwähne ich das hier? Man ahnt es schon – Saudi Arabien war bislang bereits zwei Mal Mitglied im UN-Menschenrechtsrat. Lustig, nicht?

    Kommunisten, oder Sympathisanten des Kommunismus, gibt es erstaunlich viele. Es ist seit ’68 im linksintellektuellen Milieu durchaus schick, sich dem Kommunismus nahestehend zu fühlen. Aber auch ansonsten unpolitische Bürger scheinen dem Kommunismus ungewöhnlich stark angetan zu sein – zumindest dessen Theorie, denn gegen Kritik und einen tieferen Einstieg in die Diskussion wird gleich zu Beginn des Gesprächs, gleichsam als Nebensatz der Sympathiebekundung, konstatiert, dass der Kommunismus zwar die beste und gerechteste mögliche Gesellschaftsform, der Mensch aber zu fehlerbehaftet sei, um den Kommunismus erfolgreich umsetzen zu können. Kurz: Es liege am schlechten Mensch, dass der perfekte Kommunismus nicht funktioniere. Für den Menschen sei dagegen eine so ungerechte Gesellschaftsform wie der Kapitalismus viel angemessener. Diese oder eine ähnliche Immunisierung wird man von geschätzten 50 % der Bevölkerung zu hören bekommen, wenn man den Kommunismus anspricht.

    Nun verwundert, dass sich so viele Menschen anscheinend intensiv mit kommunistischen Theorien auseinandergesetzt haben. Es bedarf durchaus einiger Anstrengung, Hegel und Marx, oder wenigstens einige gute Zusammenfassungen zu lesen, und ich wage zu bezweifeln, dass allzu viele Menschen ohne weitere philosophische Vorbildung verstehen, was ihnen dort mitgeteilt wird. Ich stelle also die gewagte These auf, dass die meisten Procommunistes einfach nur das nachplappern, was gerade hip und trendy ist. Die oben genannte Immunisierung (perfekter Kommunismus vs. fehlerbehafteter Mensch) sorgt dafür, dass man inhaltlich nicht weiter argumentieren muss. Ich bin mir ziemlich sicher, dass deutlich weniger Menschen dem perfekten Kommunismus nachweinen würden, wenn sie wüssten, worin er eigentlich besteht. Alle Gräueltaten, die im Namen des Kommunismus begangen wurden (und die bis heute weit über 100.000.000! Opfer gefordert haben), sind nicht durch ein lapidares „Der Mensch ist eben machtbesessen und brutal!“ zu erklären. Nein, Brutalität und Grausamkeit sind ein elementarer Bestandteil des marxistischen Kommunismus! War es nicht Marx, der den ständigen Klassenkampf bishin zur klassenlosen Gesellschaft als universelles Prinzip propagierte? Und dieser Klassenkampf ist nicht als abstrakte, ahistorische oder metaphorische Idee gemeint, sondern als ein blutiges Schlachten um Leben und Tod.

    Und hier kann man bereits ahnen, dass es interessante Parallelen gibt, vom angeblich so gerechten Kommunismus zu anderen totalitären Systemen. Armin Pfahl-Traughber stellt in seinem großartigen Aufsatz „Gemeinsamkeiten im Denke der Feinde einer offenen Gesellschaft. Strukturmerkmale extremistischer Ideologien.“ (Aufklärung und Kritik 4/2010) in bester Tradition Poppers eine Auflistung verschiedener Strukturmerkmale zusammen, die Kommunismus, Rechtsradikalismus und religiösem Fundamentalismus gemein sind, als da wären:

  • Exklusiver Erkenntnisanspruch: Die Lehren des Systems enthalten die einzige Wahrheit.
  • Dogmatischer Absolutheitsanspruch: Die Grundprinzipien des Systems können nicht angezweifelt werden.
  • Essentialistisches Deutungsmonopol: Nur mithilfe des Systems lässt sich die Wahrheit komplett erkennen.
  • Holisitsche Steuerungsabsichten: Weil das System die Wahrheit gänzlich erkannt hat, muss es die komplette Kontrolle über die Gesellschaft besitzen.
  • Deterministisches Geschichtsbild: Die geschichtliche Entwicklung hat einen Sinn und ein Ziel und lässt sich durch die Lehren des Systems voraussagen und günstig beeinflussen.
  • Identitäre Gesellschaftskonzeption: Der Wert des Individuums steht unter dem Wert des Kollektivs.
  • Dualistischer Rigorismus: Die Anhänger des Systems sind gut, alle anderen sind böse.
  • Fundamentale Verwerfung: Die bestehende Ordnung muss kompromisslos und komplett ausgelöscht und durch das System ersetzt werden.
  • Ich sehe und verstehe in keiner Weise, wie eine Ideologie, das diese Punkte erfüllt, von jemandem mit klarem Verstand, als das „gerechteste und beste politische System“ bezeichnet werden kann. Die einzige Erklärung dafür bestätigt meine These: Es wird einfach hohl nachgeplappert, was andere (vermutlich ebenso hohl) vorausplappern. Und weil man als intellektueller Linker nicht den tumben Nazis hinterherlaufen kann, nimmt man eben den Kommunismus her – dasselbe Gespenst, nur in einem anderen Kleid.

    Von einem entrüsteten Leser meines Blogs wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass mein Schreibstil selbstgefällig, überheblich und „von oben herab“ sei. Ich möchte dazu gern Stellung nehmen. Nicht, weil ich meinerseits empört und entrüstet wäre (das ist in Deutschland sowieso schon so alltäglich, dass es gar nicht mehr auffällt), und auch nicht, weil ich mich missverstanden fühle (abgesehen von einem inhaltlichen Unverständnis besagten Kritikers, aber das ist sein Problem, nicht meins), sondern weil ich seine scharfe Beobachtung bestätigen und bekräftigen möchte!

    Ja, ich schreibe selbstgefällig! Ja, ich schreibe überheblich! Und: Ja, ich schreibe „von oben herab“! Aber nicht etwa, weil ich mich für einen allwissenden Propheten halte, der nichts als die Wahrheit verkündet – im Gegenteil. Ich möchte auf Empörung, Entrüstung und Abneigung stoßen. Unsere Konsensgesellschaft ist geradezu ekelhaft. Bei allem, was heute öffentlich gesagt wird, muss penibel darauf geachtet werden, dass es niemanden verletzt, dass es zu möglichst vielen Meinungen kompatibel ist, und dass es ja nicht gegen die Mehrheitsmeinung verstößt. Herausstechende Menschen sind unerwünscht, das zeigt sich auch in der Leistungsgeringschätzung unserer Zeit und Gesellschaft.

    Mit meinen Texten will ich nicht kompatibel sein, ich will nicht, dass sich möglichst viele Menschen darin wiederfinden, ich will kein weiteres Zahnrädchen im Kollektiv sein. Wenn meine Meinung zufällig mit dem Mainstream übereinstimmt, dann ist das eben so – krampfhafte Ablehnung ist fast schon ein verzweifelter Abhängigkeitsbeweis von demjenigen, was man zu bekämpfen vorgibt (man stelle sich nur pöbelnde Punks ohne angepöbelte Spießer vor – undenkbar!). Wenn sie aber nicht übereinstimmt, und das ist weitaus häufiger der Fall, dann polemisiere ich mit dem größten Vergnügen, schreibe selbstgefällig vom willen- und ahnungslosen Mob, in der Hoffnung, dass gerade der dadurch vielleicht einen Willen entwickelt. Und sei es nur ein Wille zum Widerspruch. Zudem bin ich – im Gegensatz zum empörten Kollektiv – der Meinung, dass man mit bestem Gewissen stolz sein sollte auf das, was man kann, weiß und ist. Auch das lebe ich in und mit meinen Texten. Im Gegenzug habe ich die Fähigkeit, jemanden für seine besonderen Fähigkeiten zu bewundern und nicht zu beneiden, wie ich es bei so vielen Menschen beobachte.

    Gut und Böse

    23. März 2013

    Filme, Computerspiele, Bücher – die gesamte Unterhaltungsindustrie drückt den kollektiven Wunsch der Rezipienten nach einer klaren Unterscheidung von Gut und Böse aus. Einleuchtend allemal, reduzierte es doch die Komplexität der Welt beträchtlich, gäbe es eindeutige moralische Kategorien, an denen man Denken und Handeln bewerten könnte. Jahrhundertelang existierten solche Bewertungssysteme, die zwar nicht universell gültig waren, aber den unaufgeklärten Menschen zumindest universell vorkamen: Im Stammesverband waren es vielleicht die undefinierten „anderen“, die nicht zur eigenen Gruppe gehörten, später waren es dann die „Ungläubigen“, irgendwann die „feindlichen Nationen“, die „Untermenschen“, die „minderwertigen Rassen“, nicht zuletzt und erstaunlich konstant: Die Juden. Sie alle verkörperten für bestimmte Gruppen das Böse. Und wie erwähnt, erleichterte diese harte Trennung von Gut und Böse das Leben immens: Entscheidungen und Handlungen jeder Art konnten damit gerechtfertigt werden, dass sie doch dem Bekämpfen des Bösen dienten und so dem Guten zugute kämen. Selbst die industrielle Vernichtung von 6.000.000 Juden rechtfertigten die Nazis mit der Aussage, spätere Generationen würden den eigentlichen Wert dieser Handlungen verstehen: Die Ausrottung des Bösen in Form der Juden.

    Heute sind wir natürlich weiter. Die ernsthafte Nutzung der Worte „Gut“ und „Böse“ ist hierzulande kaum mehr möglich, und spricht ein George W. Bush von der „Achse des Bösen“, so wird in Europa direkt an seiner Zurechnungsfähigkeit gezweifelt. Die Begründung für die Aufgabe des Dualismus von Gut und Böse ist simpel und sollte bekannt sein: Jeder Mensch hat individuelle (und nicht zuletzt kulturelle) Gründe dafür, so zu handeln wie er handelt, deshalb bewertet jeder Mensch seine eigenen Intentionen und Handlungen, und jene anderer Menschen, die seine Intentionen und Handlungen unterstützen, als „gut“. Intentionen und Handlungen, die seinen zuwiderlaufen, sind für ihn dagegen „böse“. Daher dürfe man den Kannibalen nicht verurteilen, wenn er den Touristen verspeist, den „gemäßigten Islamisten“ nicht, wenn er ein Vergewaltigungsopfer steinigt, den durchschnittlichen Ugander nicht, wenn er die Todesstrafe für Homosexuelle unterstützt, den abergläubischen Nigerianer nicht, wenn er eine vermeintliche Hexe ermordet, und auch den Ostafrikaner nicht, wenn er einen Albino massakriert, dessen angeblich magische Extremitäten auf dem Schwarzmarkt enorme Summen einbringen. Die einzige kritikwürdige Gesellschaft scheint „der Westen“ zu sein: Er sei doppelzüngig, „eurozentristisch“, anmaßend und im Grunde doch irgendwie für das gesamte Elend auf der Welt verantwortlich. Und am allerschlimmsten sei die „selbsternannte Weltpolizei“ USA! Diese Ansicht scheint heute weitgehend Konsens zu sein, zumindest im eher linksgerichteten Bildungsbürgertum.

    Symptomatisch für ein solches Weltbild ist die konsequente Ablehnung der Realität. Es wird so lange theoretisiert und die Wirklichkeit zurechtgebogen, bis die eigene Ansicht endlich vertretbar ist und logisch erscheint. Kritische Anmerkungen werden daher im Regelfall auch nicht inhaltlich diskutiert, sondern mit Empörung („Wie kannst Du nur.. !“, „Jeder weiß doch, dass.. !“) abgeschmettert. Dieselbe Reaktion kann man provozieren, indem man den Irrsinn auf den Punkt bringt und nachfragt, ob denn tatsächlich ein Mord durch Subjektivismus gerechtfertigt werden kann. Weniger helle Köpfe werden das Gespräch entrüstet abbrechen, Schlauere werden relativieren und um den heißen Brei herumreden. Das Ergebnis ist dasselbe: Beide wollen sich der Wirklichkeit nicht stellen.

    Nun, welche Alternativen kann es aber geben? Zunächst muss festgestellt werden, dass dieser Kulturrelativismus durchaus einen wahren Kern besitzt: Es ist völlig korrekt, dass jeder Mensch für seine Taten einen Grund hat, und dass ihm zum Zeitpunkt der Handlung diese als bestmögliche erschien. Das ist aber eine reine, deskriptive (also nichtwertende) Feststellung. Die Kulturrelativisten begreifen sie aber normativ, das heißt, weil diese Struktur menschlichen Handelns existiert, muss sie gut sein – ein klassischer naturalistischer Fehlschluss, dessen Grundzüge bereits vor rund 250 Jahren vom großen David Hume enttarnt worden sind. Wenn man nun aber in eine andere Richtung weiterdenkt und hinterfragt, weshalb der Mensch so handelt, wie er handelt, so erreicht man alsbald die Erkenntnis, dass jedes menschliche Handeln der Leidvermeidung, oder positiv: der Lustmaximierung, dient. Hier existiert also eine Konstante, die für alle Menschen – gar für alle Lebewesen – gleichermaßen gilt. Daraus ein ethisches Modell abzuleiten, liegt tausendmal näher, als das völlig unsinnige kulturrelativistische Konstrukt. Wie sieht dieses Modell nun aus? Zusammengefasst besagt es, dass gut ist, was Leid vermeidet und Lust bringt, und dass böse ist, was Leid bringt und Lust vermeidet – sei es bei sich selbst, oder bei einem anderen Menschen. Und ja, dieses Modell rechtfertigt sogar militärische Interventionen, denn wenn durch die Tötung von 1.000 Menschen das Leben von 10.000 Menschen gerettet werden kann, liegt eine moralische Rechtfertigung nach diesem Modell vor. Leider, und das muss einschränkend gesagt werden, weiß man im Voraus nicht, wie viele Opfer ein Krieg tatsächlich fordern wird und wie viele Leben er tatsächlich rettet. Somit wird die Nützlichkeit von militärischen Interventionen stark relativiert, ist aber grundsätzlich durchaus gegeben. Ebenso gegeben und völlig gerechtfertigt ist die Bezeichnung von Terroristen als „böse“, da ihre einzige Auswirkung ist, Leid zu verursachen.

    Anmerkung:
    Es scheint ein gewisses Unverständnis der Begriffe „Leid“ und „Lust“ zu geben, daher eine kurze Erläuterung, wie sie hier zu verstehen sind: „Leid“ meint nicht unbedingt den physischen Schmerz – manche Menschen sind dazu in der Lage, durch Schmerz (sexuelle) Lust zu empfinden. Es meint vielmehr das schlechte Gefühl, die Furcht, die Hoffnungslosigkeit, die Verzweiflung, die Depression, in den meisten Fällen auch den Schmerz, und so weiter. „Leid“ ist ein abstrakter, nichtkörperlicher Begriff, der all das umfasst, was sich negativ auf das individuelle, unmittelbare Befinden auswirkt. Als solcher ist er der Gegenbegriff zur ebenso abstrakten „Lust“, die sich nicht auf die sexuelle Lust beschränkt, sondern all das bezeichnet, was sich positiv auf das individuelle, unmittelbare Befinden auswirkt. Gemeint sind also auch ganz profane Aktivitäten, wie etwa das Stillen von Durst.
    Jedes Lebewesen strebt nach Lust und vermeidet Leid. Es handelt sich hierbei um eine evolutionäre Funktion, die dazu dient, den Reproduktionserfolg zu maximieren. Ein Lebewesen ohne diese elementare Funktion würde etwa seinen Durst nicht stillen, es würde nicht um sein Leben rennen, wenn ein Angriff von einem Räuber droht, es würde sich nicht fortpflanzen – es wäre ganz und gar antriebslos. Ein solches Lebewesen wäre geradezu paradox und vielleicht überhaupt kein „Lebewesen“ im eigentlichen Sinne.